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Das verpasste Leben: "Trauer muss Elektra tragen" am Nationaltheater in Athen

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Das verpasste Leben: "Trauer muss Elektra tragen" am Nationaltheater in Athen

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“Trauer muss Elektra tragen”. Das Stück, das der Amerikaner Eugene O’Neill vor mehr als 80 Jahren schrieb, wird derzeit mit Erfolg am Griechischen Nationaltheater aufgeführt. Regie führte Yannis Houvardas, seines Zeichens auch künstlerischer Leiter des Hauses.

Das Stück ist eine Interpretation der Tragödie Orestie von Aischylos. Im Kern geht es um die Familie Mannon, die unter puritanischen Gesetzen nach dem amerikanischen Bürgerkrieg in Neuengland lebt.

Der Regisseur wählte das Stück wegen dessen Sichtweise auf Griechenland, die griechische Geschichte, Kultur und Gesellschaft.

Yannis Houvardas: “‘Trauer muss Elektra tragen’ ist eine Adaption der Orestie von Aischylos, das ist ein Grund, warum wir es gewählt haben. Vor allem geht es in dem Stück aber um das Thema Familie, um die Zerstörung der Familie Mannon und die Anspannung zwischen den Mitgliedern. Das erklärt meiner Meinung nach viele der Schwierigkeiten, die wir als Nation erlebt haben und noch immer erleben.”

Die Helden in den drei Teilen des Stücks ersticken an den strikten Gesetzen einer rigiden Puritaner-Gesellschaft.

Schauspielerin Karyofyllia Karabeti: “Die Figuren sind gezwungen, ihr Leben so zu leben. Anstatt sich auf die Wirklichkeit konzentrieren zu können, auf die Schönheit von Liebe, Freiheit und Freude, sind sie in den Gesetzen und den strengen religiösen und sozialen Strukturen gefangen, die diese Gesellschaft aufgestellt hat. Daher leben sie in üblen Umständen.”

Der Darsteller des Orin Mannon, Christos Loulis: “In dem Stück geht es um Pflicht und das Schicksal, dem wir nicht entkommen können. Vor allem aber geht es um das Leben, das wir nicht gelebt haben. Es ist unsere selbstmörderische Art, nicht in den Himmel zu schauen, sondern über die Klippe zu springen. Das ist die menschliche Natur. Wir alle denken an den Tod, während wir doch lebendig sind.”

Die Schauspielerin Maria Protopappa hat sich auf sehr persönliche Weise der von ihr gespielten Rolle der Tochter Lavinia genähert.

Maria Protopappa: “Ich habe mich auf die negativen Seiten meiner Figur konzentriert, besonders auf Seiten, die ich selbst hatte, als ich jünger war. Wie sie, wollte ich Perfektion. Ich dachte auf eine sehr absolute Art und Weise. Es gab nur schwarz oder weiß. Ich versuchte damals, die Bestimmung des Lebens zu finden, wie jeder sein Leben leben muss. Ich dachte, es sollte sehr strenge Regeln geben. Eine Anleitung für das bessere Leben.”

Die letzte Aufführung von “Trauer muss Elektra tragen” ist am 19. Mai. Zwei Tage zuvor endet der Vertrag von Yannis Houvardas als künstlerischer Leiter des Nationaltheaters. Einen Nachfolger hat das Kultusministerium in Athen noch nicht bekanntgegeben.

euronews-Reporter Yorgos Mitropoulos: “Trauer muss Elektra tragen” ist die letzte Arbeit von Houvardas als künstlerischer Leiter am Nationaltheater. Sein Vertrag endet in wenigen Tagen und jetzt ist es Zeit für einen Wandel am Theater. Niemand weiß, wie die Zukunft aussieht.”

Weiterführender Link:

Homepage des Griechischen Nationaltheaters in Athen
Seite von Yannis Houvardas beim Nationaltheater