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Ein Urgestein der italienischen Politik ist tot - Giulio Andreotti

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Ein Urgestein der italienischen Politik ist tot - Giulio Andreotti

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Mehr als vier Jahrzehnte langlang prägte er die Politik Italiens: Giulio Andreotti. Von 1972 bis 1992 war er nicht weniger als sieben Mal Regierungschef und sechs Mal Außenminister. Von der Nachkriegszeit bis zu Beginn der neunziger Jahre gehörte er fast jeder Regierung an. Der christdemokratische Politiker galt als Musterkatholik, gab eine religiöse Monatsschrift heraus und ging seit seiner Jugend im Vatikan ein und aus. DiePäpste kannte er persönlich, auch Karol Wojtila. Für seine Verdienste um sein Land wurde er 1991 zum Senator auf Lebenszeit ernannt.In den siebziger Jahren sah er es als eine seiner Hauptaufgaben an, eine Regierungsbeteiligung der Kommunisten zu verhindern. Als das politische System Italiens zu Beginn der neunziger Jahre zusammenbrach und sich die Christdemokraten in Nichts auflösten, trat er von der politischen Bühne ab. Seine Zeit war vorbei. Wenig später geriet er in den Strudel der Justiz. Andreotti wurde vorgeworfen, mit der Mafia zusammengearbeitet zu haben. Ein Überläufer hatte ihn als politischen Ansprechpartner der Mafia bezeichnet. Die Justiz sprach von der vermeintlichen Zusammenarbeit Andreottis mit der Cosa Nostra als von einem “Abstieg in das Leichenhaus der Demokratie.” Andreotti hat die Vorwürfe stets bestritten. Er sagte: “Dass zwei der reuigen Mafia-Bosse behaupten, mich bei einem solchen Treffen gesehen zu haben, dass ich dem Boss der Bosse, Salvatore Rina, sogar einen Wangenkuss gegeben haben soll, das sind nicht nur Gerüchte, es sind Erfindungen.” Auch wurde ihm vorgeworfen, Drahtzieher eines politischen Mordes gewesen zu sein. Er soll der sizilianischen Mafia den Auftrag erteilt haben, einen missliebigen Journalisten zu töten. Zunächst wurde Andreotti zu 24 Jahren Haft verurteilt. In Italien wurde das Urteil als Schuldspruch gegen eine politische Ära aufgefasst. 2003 wurde der Politiker aber von dem Vorwurf freigesprochen, Auftraggeber eines Mordes gewesen zu sein, wenig später auch davon, mit der Mafia zusammengearbeitet zu haben. Eines der Bonmots Andreottis lautete: Die Macht verschleißt nur denjenigen, der sie nicht hat.