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Paris-Berlin: Friedenspfeife ohne Lagerfeuer

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Paris-Berlin: Friedenspfeife ohne Lagerfeuer

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“Schluss mit dem french bashing”, hatte Frankreichs Finanzminister vor Wochen erbost in Richtung Berlin getwittert. Und jetzt machte Pierre Moscovici (Parti Socialiste) ernst. Er fuhr hin, um das “Herumgehaue auf Frankreich” zu beenden, die tiefe Kluft zwischen Berliner Sparpolitik und Pariser Wachstumswünschen.

Das Ergebnis: Ein neuer Versuch, beides unter einen Hut zu bekommen.

Auf einer Veranstaltung zum 25. Jubiläum des “Deutsch-Französischen Finanz- und Wirtschaftsrates” erkannte sein Amtskollege Wolfgang Schäuble (CDU):

“Wir sind nicht alles in Europa, aber ohne Frankreich und Deutschland und ohne deren enge Zusammenarbeit geht gar nichts. Dies war der Anfang der europäischen Einigung, und es ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Fortsetzung. Und wenn wir in einzelnen Fragen unterschiedliche Meinungen haben, können wir voneinander lernen und profitieren.”

Das klingt etwas milder als die Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Wenn man jedes Jahr mehr verbraucht als man einnimmt, ist irgendwas nicht in Ordnung“.

Moscovici in Berlin:

“Stimmt, Frankreich ist ein Land, das denkt, es kann heute keine Sparpolitik brauchen. Aber es ist ein seriöses Land, das eine glaubwürdige Politik macht. Das geben wir nicht auf. Dies ist ein Versprechen, das gebe ich hier in Berlin und es wird – das versichere ich Ihnen – auch eingehalten.”

Zuvor hatte er gegen das „Austeritätsdogma“ in der EU gekeilt.

Frankreichs Regierung steht nach einem Jahr im Amt in der Kritik – der nervenzehrende Vergleich mit Deutschland ist allgegenwärtig und fällt zur Zeit sehr einseitig aus.

Ob Arbeitslosenquote (11 % gegen 5,4 %), Haushaltsdefizit (- 4,8 % gegen + 0,2 % des BIP) oder Wachstumsaussichten (2013: -0,1 % gegen 0,4 %) – überall hat Deutschland im Moment die Nase vorn.

Mit Reuters, dpa