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Syrienkonflikt - wer sind da noch die "Guten"?

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Syrienkonflikt - wer sind da noch die "Guten"?

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Israel hat zugeschlagen. Um zu vermeiden, dass bestimmte Waffen aus Syrien zur Hisbollah gelangen – so die Begründung. Und was hat diese Aktion im syrischen Bürgerkrieg wie im großen weltpolitischen Zusammenhang bewirkt? In Washington, bei Israels wichtigstem Verbündeten, mögen sie mit den Zähnen geknirscht haben. Denn nichts befürchtet man im Weißen Haus so sehr wie einen Flächenbrand im sensiblen Nahen Osten.

Dabei war Syrien von Anfang an kein lokales Problem. Dazu sind die Verbündeten im Syrien von Assad für die Hisbollah im Libanon und für den Iran zu wichtig. Nur wenn sie standhalten, hält auch der Bogen der schiitischen Macht. Als “schiitischen Halbmond” hat der jordanische König Abdullah bezeichnet, was ihn und andere sunnitische Machthaber im Nahen Osten beunruhigt. Nicht nur Israel fürchtet, dass durch den syrischen Bürgerkrieg Waffen – womöglich sogar Massenvernichtungswaffen – in die Hände von Extremisten geraten.

Aber die erfolgte Reaktion kann sich als zweischneidiges Schwert erweisen, meint der israelische Politik-Analyst Alon Liel. Er befürchtet, falls irgendjemand in der Region, besonders in Syrien oder Libanon, diese Angriffe als direktes Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg verstehe, dann könnte Israel ein echtes Problem bekommen. Er hofft aber sehr, dass alle Welt verstehe, Ziel sei ein Anti- Hisbollah-, Anti-Iran-Schlag gewesen, aber keine anti-syrische Aktion.

Es ließ sich gleich nach den Luftschlägen Hisbollah-Führer Nasrallah mit der Botschaft vernehmen: Seine Kämpfer werden nicht erlauben, dass die Brüder in Syrien Amerika oder Israel in die Hände fallen könnten. Und der langjährige Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Hossein Kanami Moghaddam, bekräftigt, Iran als der strategische Verbündete von Syrien könnte Truppen zu Assads Hilfe schicken, wenn Israel Syrien umfassend angreife. Iran sei dazu fähig!

Es riecht schon verdammt brenzlig in der politisch aufgeheizten Nah-Ost-Region! Auch Palästinenser in Ramallah bekunden ihre Unterstützung für das Assad-Regime in Syrien. Man sollte das nicht unterschätzen. Assad hat nicht nur seine eigenen Jubel-Truppen hinter sich. Welche Alternativen bleiben denn den Verteidigern von Menschenrechten in dieser verfahrenen Lage? Der “ Weltpolizist” Obama steckt in der Zwickmühle. Höchsten ein Viertel seiner Bürger wollen, dass die Weltmacht im syrischen Bürgerkrieg den “Guten” beisteht. Drei Viertel der Amerikaner haben nach Irak und Afghanistan Angst vor solchen Abenteuern. Wer sind denn nun eigentlich noch “die Guten”, nachdem UN-Vertreterin Carla del Ponte für möglich hält, dass von Rebellenseite chemische Waffen eingesetzt wurden? Es könnten Extremisten gewesen sein, die sich unter die Rebellen gemischt haben. Das macht die Lage dann nur noch gefährlicher