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Wozu braucht man heute noch "königliche Hoheiten"?

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Wozu braucht man heute noch "königliche Hoheiten"?

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Die Pflichten der Queen haben mit den Jahren mehr und mehr symbolischen, repräsentativen Charakter angenommen. So ist die Queen offiziell zwar immer noch Staatsoberhaupt von 16 unabhängigen Staaten, die zum Commonwealth gehören. Aber selbst da mehren sich die Stimmen jener, die meinen, keine königliche Repräsentanz mehr zu brauchen. Daheim allerdings sagen 70% der Briten immer noch “God save the Queen.”

Bei den Niederländern gilt : Die Königin wird wieder Prinzessin – es lebe der König! Wie sonst nur noch in Luxemburg kann das royale Staatsoberhaupt selbst entscheiden, wann es an der Zeit ist, das Amt in jüngere Hände zu legen. Das niederländische Parlament hat jüngst der Königin – und jetzt damit dem König – eine Pflicht abgenommen. Jene, nach der Parlamentswahl einen Politiker mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Und dem Kronprinz – der nun König ist – wurde vor einigen Monaten vom Parlament gesagt: keine Luxuxresidenz an einem Traumstrand, sparsam leben! Drei Viertel der Bevölkerung mögen ihr Königshaus.

In Belgien ist der König ausdrücklich seinem Volk gegenüber verantwortlich. Darum heisst er auch “König der Belgier”. Er hat noch die Aufgabe, die sein Nachbar jetzt los ist. Er muss jeweils einen Politiker auswählen, dem er zutraut, eine Regierung zusammen zu bekommen. Und das ist im regional zerstrittenen Belgien alles andere als einfach.

Der spanische König ist eine Ausnahme. Er hat nach dem Ende der Franco-Diktatur eine positive Rolle beim Übergang des Landes zur Demokratie gespielt. Das rechnen ihm die Spanier bis heute hoch an. Dazu auch, wie er sich im Februar 1982 mutig Putschisten in den Weg stellte, indem er in einer Fernsehansprache klar machte, sie müssten ihn schon erschießen, um seinen Widerstand zu brechen. Seit allerdings erst sein Schwiegersohn mit krummen Geschäften Schlagzeilen machte und dann von diversen unehelichen Kindern des Monarche die Rede war, regt sich zunehmend Kritik. Die spanische Monarchie geht auch im übertragenen Sinne am Stock, seit der König sich bei der höchst unpopulären Großwildjagd in Afrika ein Bein brach. Die Popularität liegt nur noch bei gut 36 %.

Die drei skandinavischen Königshäuser geben sich traditionell kühler, zurückhaltender. Kein Pomp, dafür Volksnähe. Das scheint auch ihre einzige Überlebensgarantie zu sein.