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Chinas erste Muttermilchverteilung

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Chinas erste Muttermilchverteilung

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Zuerst die gute Nachricht: China hat eine Bank zur Verteilung von Muttermilch eröffnet. In der Stadt Guangzhou (ehemals Kanton) im Süden des Landes werden junge Frauen eingeladen, die Muttermilch, die sie nicht mehr für ihr eigenes Baby brauchen, abzugeben. Die Schwierigkeit dabei, auf die man sich in China erst einrichten muss, ist sanitärer Art. Man braucht eine Kühlkette, damit die gesunde Muttermilch von der Amme so gesund beim bedürtigen Kind ankommt. 80 Mütter beteiligen sich schon. Eine von ihnen sagt, zu ihrem Motiv, es gehe doch um das Wohl der Babies! Sie habe erst aus dem Fernsehen erfahren, wie viele Mütter nicht ausreichend stillen können. Denen wolle sie helfen. Soviel zum positiven Motiv. Es gibt auch ein äußerst negatives, das die Behörden dazu trieb, die Initiative zu entwickeln. Die Skandale um verseuchtes Milchpulver. Der erste 2008, bei dem 6 Säuglinge starben und rund 300.000 teilweise dauerhafte Schäden davontrugen. Der Hintergrund ist der Mangel. China produziert nicht genug Kuhmilch und auch nicht genug Milchpulver für den wachsenden Bedarf. Das hat Spekulanten zum Panschen animiert. China hat keine Milchviehtradition. Chinesische Kühe geben pro Jahr zwischen 4000 und 4600 Liter Milch. Das ist etwa ein Drittel des europäischen Durchschnitts. 2010 importierte China 406.000 Tonnen Milchpulver, ein Jahr später 550.000 Tonnen. Das deckt den Bedarf höchstens zur Hälfte. 90% der Milchkühe wurden 2004 in kleinen Familienbetrieben mit weniger als 10 Tieren gehalten. Zur Zeit trifft das immer noch auf 40% zu.
Moderne durchorganisierte Milchproduktion von der Kuh auf der Weide über eine sterile Melkanlage bis zur Kühlkette im Supermarkt fehlt immer noch. Jetzt will man moderne Kooperativen dafür gründen. Der Versorgungsengpaß hat schon zu den abenteuerlichsten Privatimporten geführt. Chinesen, die es sich leisten können, kaufen in Hongkong ein.
In Deutschland kaufen chinesische Studenten ganze Supermärkte leer und finanzieren mit diesem Privathandel ihr Studium. Da kommt die Initiative, gezielt jeden Tropfen Muttermilch zu nutzen, sehr gut gelegen. Auch wenn dazu Gewohnheiten geändert werden müssen. So sagt die Mitbegründerin der ersten Muttermilchbank, die Kinderärztin Liu Xihong, es fange mit dem Problem an, dass nicht so viele Mütter stillen. Dann gibt es auch gefühlsmäßige Vorbehalte. Anders als etwa in arabischen Großfamilien würden chinesische Mütter selten ein fremdes Baby stillen oder das ihre einer anderen Mutter an die Brust legen. Es sei noch viel Aufklärungsarbeit nötig, haben die chinesischen Fachleute erkannt.