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Déjà-vu in Kairo: Mubarak wieder auf der Anklagebank

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Déjà-vu in Kairo: Mubarak wieder auf der Anklagebank

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Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Husni Mubarak wies der frühere ägyptische Machthaber die Schuld am Tod Hunderter Demonstranten erneut von sich. Beim ersten Prozess war er bereits zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde wegen Verfahrensmängeln jedoch wieder aufgehoben.

Nach Verlesung der Anklage vertagten die Richter den Prozess. Die Aussicht auf ein neues Mammutverfahren zermürbt die Angehörigen der Opfer.

Der Anwalt Naser Askalani meint, das Gericht werde niemals eine Entscheidung treffen. Weder, wenn es um den Tod der Märtyrer der Revolution gehe, noch wenn es um das Geld und den Wohlstand gehe, um die die Menschen betrogen worden seien. Er sei nicht optimistisch.

Für den Prozess kündigte die Staatsanwaltschaft neue Beweise an. Nach Informationen des britischen Guardian belegen sie die angebliche Verstrickung des Militärs in Folter, Mord und Verschleppung von Anhängern des Arabischen Frühlings.

Einer der Demonstranten vor der Polizeiakademie in Kairo fordert, Hosni Mubarak solle selbst auf dem Tahrir Platz hingerichtet werden, weil er für den Tod junger Menschen verantwortlich sei. Er und seine Schergen hätten ihr Geld geraubt.

Gehör verschafften sich auch Mubarak-Anhänger. Eine Frau mit Photos des Langzeitmachthabers sagt, Mubarak habe 30 Jahre seines Lebens für die Ägypter geopfert. Er habe nichts gestohlen. Trotzdem habe man ihn hinter Gitter gesteckt. Das sei nicht hinnehmbar, schließlich sei Mubarak ein Symbol Ägyptens.

Euronews-Korrespondent Mohammed Shaikhibrahim vor der Polizeiakademie in Kairo: “Die Neuauflage des Jahrhundertprozesses stellt die Anhänger Mubaraks zufrieden. Seine Gegner fürchten einen Freispruch. Auf den Straßen in Ägypten hoffen die Menschen, dass das Verfahren so schnell wie möglich zu Ende geht, damit der Fall nicht im Sande verläuft und die Wahrheit nicht in Vergessenheit gerät.”