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Das Wolgadelta - ein Angelparadies

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Das Wolgadelta - ein Angelparadies

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Das Wolgadelta nahe Astrachan: Europas längster Fluss mündet hier in das Kaspische Meer. Die einmalige Umgebung macht diese Gegend zu einem unvergleichlichen Angelparadies. Die Natur in der Nähe von Astrachan, fern der Großstädte, scheint noch unberührt. Die Tier- und Pflanzenwelt steht seit Beginn des 19. Jahrhunderts unter Naturschutz, nur selten trifft man Menschen im Wolga-Delta.

Die Einzigen, die man trifft, sind Fischer. Sie kommen das ganze Jahr aus allen Teilen Russlands und aus dem Ausland. Vladimir Razin, ein Angler, sagt: “Hier Angeln ist großartig. Es gibt jede Menge Fische, von jeder Sorte. Man muss bloß wissen, wie man sie fängt.” Zeltlager liegen verteilt an den Ufern der Wolga. Aber geübte Angler fahren eine Stunde mit dem Boot dorthin, wo der Fluss ins Kaspische Meer mündet. Igor aus Astrachan kommt mit seinem Sohn Artyom hierher, seit er fünf ist. Für sie ist Angeln mehr als nur Fische fangen.

“Wenn man dort steht, verschmilzt man mit der Natur”, so Igor. Die dünne Angelsehne wird zu einem Band, man spürt eine Verbindung mit dem riesigen Fluss und mit der ganzen Welt ringsum.“Für Igor bedeutet Jagen nicht, dass man Tiere tötet. Angeln ist für ihn ein intellektuelles Spiel, mit dem Ziel, die Instinkte der Fische zu überlisten. Die Kunst besteht darin, den richtigen Köder zu wählen, den Fisch an der richtigen Stelle aufzuspüren und möglichst unverletzt zu fangen.

Sein Sohn Artyom sagt, “Der Körper schüttet Adrenalin aus, wenn der Fisch anbeißt, man spürt, wie es an der Angel ruckt. Und dann hat man nur noch den Wunsch, den Fisch rauszuholen. Man will der Beste sein und einen großen Fisch fangen. Igor und Artyom machen das zum Vergnügen, so wie viele Andere. Sie träumen von einem großen Fisch um die vier Kilo oder mehr. Aber meist genießen sie einfach nur das Angeln an sich.

Für viele Einheimische ist das Fischen aber eine ganz normale Arbeit. Was auch immer nachts in ihre Netze geht, sie bringen es zu den Aufkäufern, die den Fisch sortieren und an Konservenfabiken auf dem Festland verkaufen. Sergey Andreyev deutet auf seinen Fang und meint: “Das ist wirklich nicht viel. Normalerweise ist es mehr. Aber das Wetter ist schlecht, also gibt es nur wenig Fisch. Doch es ist nicht nur das Wetter. Volle Netze werden zunehmend seltener.

Igor macht dafür Wilderer und die Überfischung verantwortlich. Er sagt, Einige von denen, die zu solchen Fischrevieren kommen, vor allem mit Harpunen, finden es aufregend, grundlos Unmengen an Fisch zu töten. Sie selbst lassen ihre Fische wieder frei. “Ich fürchte, eines Tages wird es nicht mehr besonders viel Fisch geben”, so Igor. “Das bedeutet nicht, dass wir dann mit dem Angeln aufhören. Wir machen weiter, auch wenn es nicht mehr viel zu fangen gibt. Aber ich habe mal ein Sprichwort gehört, das ich sehr mag und es geht so: Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.”

Am Ende eines langen Tages auf dem Fluss bringt der Wildhüter seine Trophäe, einen riesigen Karpfen. Und der wird für etwas gebraucht, dass in Russland zum Angeln dazugehört: Ukha, die schmackhafte Brühe, die über dem offenen Feuer und mit frisch gefangenem Fisch zubereitet wird. Dmitry Tulayev sagt: “Das ist unsere Spezialität, die Ukha aus Astrachan. Wir haben unsere ganz spezielle Art, sie zuzubereiten, mit Wasser, Fisch, Kartoffeln, Lorbeerblättern und Petersilie.”