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Mehr DDR-Patienten Versuchskaninchen für den Westen als angenommen?

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Mehr DDR-Patienten Versuchskaninchen für den Westen als angenommen?

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Die Berichte über geheime Medikamenten-Tests in der DDR für West-Konzerne sorgen in Deutschland für Aufruhr. Am Wochenende berichtete der Spiegel, dass das Ausmaß weit größer sei als bisher angenommen: Mehr als 50.000 Patienten seien in der DDR als Versuchskaninchen für Medikamentenstudien für westdeutsche Pharmakonzerne missbraucht worden – bisher war von mehreren tausend die Rede gewesen.

Es ging um Devisen. Der Leiter der Stasi- Unterlagenbehörde, Roland Jahn: “Es zeigt sich, dass die DDR in dem Drang, Devisen zu beschaffen, auch auf die Patienten keine Rücksicht genommen hat. Und es ist hier zu verzeichnen, dass die Staatssicherheit die Hände mit im Spiel hatte. Die Staatssicherheit hat dieses devisenträchtige Geschäft überwacht und hat gesichert, dass keine störenden Einflüsse das Geschäft verhindern.”

Die Akten mit den Details liegen laut der Behörde aber nicht bei ihr, sondern in Krankenhäusern, im Bundesarchiv und im Archiv des deutschen Gesundheitsministeriums.

Namhafte Konzerne sollen das Angebot der DDR-Regierung gern angenommen haben. Viele Patienten wussten nicht einmal, was die Ärzte da mit ihnen unternahmen, und in einigen Fällen sollen es Tests mit Todesfolge gewesen sein. Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner, forderte nun eine unabhängige Untersuchung.
In Berlin hatte der Charité-Historiker Volker Hess am Wochenende angekündigt, die Vorgänge zu untersuchen.