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Präzise Protonenstrahlen gegen Krebs

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Präzise Protonenstrahlen gegen Krebs

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Mehrere Millionen Menschen in der Welt sind von Krebs betroffen. Die Diagnose ist ein Schock, auch wenn die Heilungschancen bei vielen Tumorarten gestiegen sind. Als vielversprechend gilt die Protonentherapie, die zielgenaue Bestrahlung mit energiereichen Protonen.
“Statistiken zeigen leider, dass Krebs weltweit auf dem Vormarsch ist”, sagt euronews-Reporter Claudio Rocco. “Schätzungsweise ein Drittel der Menschheit wird im Verlauf des Lebens an Krebs erkranken. Vorsorge ist wichtig, auch die Suche nach neuen Therapien. Dieses Forschungszentrum in Belgien befasst sich mit einer hochmodernen Behandlungstechnologie.”

In Louvain-la-Neuve nahe Brüssel baut das belgische Unternehmen Ion Beam Applications (IBA) Protonentherapie-Systeme für den Einsatz in Kliniken und Krankenhäusern. Im Inneren der sogenannten Zyklotronen werden geladene Teilchen mithilfe von Magnetfeldern auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, bis sich die Elektronen von den Wasserstoffatomen abspalten und nur Protonen übrig bleiben.

Protonen geben im Gegensatz zu Röntgenstrahlen den Großteil ihrer Energie erst auf den letzten Millimetern ihrer Flugbahn ab. Die Bestrahlung lässt sich zielgerecht auf den Tumor fokussieren.

Der belgische Forscher Yves Jongen ist der Mann, der die Entwicklung der Protonentherapie entscheidend voranbrachte. Bereits als Direktor des Zyklotron-Forschungszentrums der katholischen Universität von Louvain forschte er an der Entwicklung von Teilchenbeschleunigern, mit denen sich Protonen erzeugen lassen.

1986 baute er den ersten Prototypen und legte damit den Grundstein für den medizinischen Einsatz der Technologie. “Krebs tritt oft bei älteren Menschen auf, aber leider betreffen rund sieben Prozent aller Krebsfälle kleine Kinder”, erläutert Yves Jongen. “Bei der Krebsbehandlung von Kindern ist es um so wichtiger, dass die anderen Organe, die noch ein ganzes Leben lang benötigt werden, nicht verstrahlt werden. Genau das ermöglicht die Protonentherapie.
Sobald der Patient auf dem Behandlungstisch liegt, werden zwei orthogonale Röntgenbilder angefertigt, um die Position des Tumors zu ermitteln. Dann wird der Patient millimetergenau ausgerichtet, damit der Teilchenstrahl genau im Tumorgewebe landet, nicht daneben.”

Auch die Energieintensität des Strahls lässt sich genau einstellen. Aus diesen Gründen wird die Protonentherapie besonders bei Krebsfällen empfohlen, bei denen sich der Tumor in unmittelbarer Nähe lebenswichtiger Organe befindet. Zum Beispiel Tumore im Augen- und Nackenbereich oder im Gehirn.

Der heute 65-jährige Yves Jongen hat den größten Teil seines Lebens der Entwicklung der Protonentherapie gewidmet und die Technologie für 25 Behandlungszentren in der Welt geliefert. Er ist für den Europäischen Erfinderpreis nominiert in der Kategorie Lebenswerk. Der Preis wird am 28. Mai vom Europäischen Patentamt in Amsterdam verliehen.

Die Reaktion des Forschers: “Ich werde dafür bezahlt, mich dem zu widmen, das mir am meisten am Herzen liegt: der Entwicklung geeigneter Behandlungsgeräte im Kampf gegen Krebs. Ich bin also ein glücklicher Mensch.”

“Mit Ihrer Erfindung haben sie Tausenden Menschen geholfen und werden noch viele tausende Leben retten, wie fühlt sich das an?”, fragt euronews-Reporter Claudio Rocco.

“Es ist ein außergewöhnliches Gefühl”, meint Jongen. “Ich gehe oft in Zentren für Protonentherapie. Wenn ich die Menschen dort warten sehe, sage ich mir: Dieses Gerät, das ich entwickelt habe, behandelt Krebs gefahrloser, und ich fühle mich gut.”

Weniger als ein Prozent der Krebspatienten werden mit Protonen behandelt, weil es noch nicht genügend Therapiezentren gibt. Die Anlage kostet immerhin zwischen 20 und 50 Millionen Euro. Deswegen arbeitet Yves Jongen weiter an der Entwicklung kleinerer und weniger teurer Modelle.