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Sechzig Jahre Flüchtlings-Dasein: Alltag in Jalazone

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Sechzig Jahre Flüchtlings-Dasein: Alltag in Jalazone

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1949 wurde auf hügeligem Gelände sieben Kilometer nördlich von Ramallah im Westjordanland das Flüchtlingslager Jalazone errichtet. Das Gebiet hatte die zuständige UNO-Organisation UNRWA von Jordanien gepachtet. Heute zählt sie hier 11.000 Bewohner, mehr als die Hälfte sind unter 24. Die über 60-Jährigen stellen sechs Prozent.

Ibrahim Mahmud ist einer der wenigen Alten im Ort. Er hat die Flucht miterlebt: “Nach über sechzig Jahren als Flüchtling, was meinen Sie, wie ich mich fühle? Wir sind als 17-Jährige geflüchtet, und heute bin ich 83. So etwas ist in der Geschichte nie vorgekommen. Seit Gott die Welt schuf, hat es keinen solchen Massenexodus gegeben.”

Aus über dreißig Dörfern kamen die Flüchtlinge damals her. Ein Provisorium als Dauerzustand. Für sie ist klar: “Jegliche Nahost-Lösung muss die Flüchtlingsfrage klären, das ist wichtiger als die Jerusalem-Al-Aqsa-Frage. Al-Aqsa ist eine Moschee, wie Mekka, wir gehen zum Hadsch für zehn oder zwölf Tage hin und kehren dann zurück, Al-Aqsa ist nur ein weiterer heiliger Ort.”

Zwei Schulen, ein Lager, in dem Lebensmittel verteilt werden, drei Gesundheitszentren: Aus dem Zeltlager ist eine Ortschaft geworden – für vielleicht weitere sechs Jahrzehnte Provisorium.