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Die Feinde Venezuelas: die organisierte Kriminalität - und das Klopapier

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Die Feinde Venezuelas: die organisierte Kriminalität - und das Klopapier

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Venezuelas Armee kämpft derzeit gegen einen Feind im Innern: die organisierte Kriminalität. Präsident Nicolas Maduro bezeichnete die Kartelle als größte Gefahr für das Land. 3000 Soldaten wurden nun in die Hauptstadt Caracas entsendet. Sie sind Teil eines Programms, das Anfang der Woche ins Leben gerufen wurde, sein Name: “Rettet die Heimat”.

Auch die übrigen Sicherheitskräfte sind involviert. “Die National-Polizei unterstützt die Militärpolizei”, so General Antonio Benavides, der Leiter des “Rettet die Heimat”-Projekts. “Gemeinsam konzentrieren sie sich darauf, die Bürger der Stadt Petare, im Bundesstaat Miranda, zu schützen und ihre Sicherheit zu gewähren.”

Doch das Programm ist umstritten. Kritiker aus den Reihen der Opposition betonen, der Schutz der öffentlichen Ordnung sei Aufgabe der Polizei und der Justiz aber nicht der Armee. Laut den Vereinten Nationen ist Venezuela eines der gefährlichsten Länder der Welt.

Mehr als 16000 Morde wurden in dem Land im vergangenen Jahr begangen – offiziellen Angaben zufolge. Inoffiziellen Quellen nennen andere Zahlen: Demnach wurden 21 000 Menschen ermordet. Der verstorbene Präsident Hugo Chavez hatte die Kriminalität nur halbherzig bekämpft. Sein Nachfolger Maduro hatte dagegen bereits im Wahlkampf angekündigt, er werde entschlossen gegen das organisierte Verbrechen vorgehen.

Mehrere Meinungsforschungsinstitute bezeichneten Chavez’ Haltung gegenüber der Wirtschaft als verheerend. Der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft habe zu einer akuten Knappheit an wichtigen Konsumartikeln geführt. Cristina Ramos, eine Einwohnerin von Caracas, berichtet: “Seit zwei Wochen suche ich Klopapier. Die Sicherheitskräfte sagten mir dann, in diesem Laden soll es etwas geben. Nun stehe ich hier an.”

Maduro macht so genannte “Regierungsgegner” für die Engpässe verantwortlich. Sie würden absichtlich das Angebot knapphalten. Experten kritisieren stattdessen, dass die Landeswährung abgewertet wurde, nun würden die Waren woanders hin verkauft.

Der Finanzminister, Alejandro Fleming, sagte: “Die Revolution wird in den kommenden Tagen rund 50 Millionen Rollen Toilettenpapier bringen. Die Ware wird ab diesem Freitag in die Läden geschafft, bis nächsten Mittwoch. Die erste Schiffsladung wird rund 20 Millionen Rollen umfassen, die Nachfrage einer Woche oder mehr als einer Woche.”

Die venezolanischen Unternehmen haben keinen freien Zugang zu Devisen, die sie dringend benötigen, denn nur so können sie Konsumgüter, Rohstoffe und Geräte bezahlen. Chavez hatte vor gut zehn Jahren hart durchgegriffen und umfangreiche Enteignungen durchgesetzt. Nun kassiert das Land die Rechnung.