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Europas Kino in der Krise: "Man sollte es nicht bremsen"

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Europas Kino in der Krise: "Man sollte es nicht bremsen"

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Dieses Jahr sind beim Filmfestival in Cannes sechs Filme aus Frankreich im Wettbewerb, je einer aus Italien und den Niederlanden – Spanien und auch Deutschland nur in Nebenrollen. Ein Zeichen der Krise?

Fest steht: die Budgets schrumpfen, auch bei den großen Fernsehkanälen. Vor allem Dokumentarfilme hatten darunter zui leiden. Dafür beobachtete die
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle – sie arbeitet im Auftrag der EU – mehr Bereitschaft zu internationaler Zusammenarbeit.

Insgesamt 1299 Filme wurden im Jahr 2012 in der Europäischen Union produziert – 37 weniger als im Jahr zuvor – etwa gleich viele Spielfilme, aber rund 10 Prozent weniger Dokumentarstreifen.

Europäisches Filmland Nummer eins bleibt Frankreich, auch dank staatlicher Unterstützung, mit einem Anteil von knapp 14 Prozent, fast fünfmal so hoch wie der Deutschlands (2,8 Prozent)..

Europas heimische Kassenschlager kamen aus Großbritannien – den neusten James Bond “Skyfall” sahen 80 Millionen – und aus Frankreich – “Ziemlich Beste Freunde” interessierte 24 Millionen EU-Kinogänger.

Die Besucherzahlen gingen insgesamt zurück, um 2,2 % auf 933 Millionen. Dabei reicht der Spagat von 13 Prozent weniger in Bulgarien bis zu 20 Prozent Zuwachs in Finnland. In Deutschland gingen gut fünf Millionen Menschen mehr ins Kino als im Jahr zuvor.

Kino in der Krise – dazu Claude-Eric Poiroux, von Europa Cinemas, einer Förder-Organisation für das europäische Kino.

Wolfgang Spindler, euronews:

“Kino ist nicht nur Festival, es ist auch ein Markt, es geht auch um Kinos, die davon leben. Wie geht es Europas Filmtheatern In der Krise?”

Claude-Eric Poiroux:

“2012 kamen etwas weniger Leute ins Kino. Die schwächeren Besucherzahlen können durchaus bedeuten: Die Krise kommt im Kino an. Wir wissen nicht genau, wie es weitergeht. Europa kann man auch nicht unbedingt über einen Kamm scheren. Spanien zum Beispiel erlebt eine doppelte Krise: Das Land insgesamt die ökonomische Krise, und dann gibt es noch die Krise im Kino. Die Filmbranche wurde Opfer von zwei oder drei Regierungsentscheidungen. So stieg die Mehrwertsteuer (MwSt), von 8 auf 21% des Eintrittspreises, das ist enorm. Und gleichzeitig ist die Produktion in der Krise. Von den Kinogängern bekommt aber heute keiner mit, was bei den Kreativen los ist, in der Produktion, bei den Investitionen, an welchen Filmen gearbeitet wird, wieviele Filme heute in Europa entstehen. Die Auswirkungen sieht man erst in ein paar Monaten oder Jahren.”

euronews:

“Welche Filme laufen In Krisenzeiten am besten?”

Claude-Eric Poiroux:

“Es gibt ja das Klischee, dass Kino kein Opfer der Krise wird, weil die Leute vor der Krise dorthin flüchten. Das Kino wird zum Ort der Zuflucht, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Filmtheater vergessen wir, was draußen los ist. Dies hat es in der Vergangenheit mehrfach gegeben. Deshalb geht es der Branche immer etwas besser als den anderen, die es stärker trifft. Kino ist aber auch nicht umsonst.

Glücklicherweise kommt man ja für wenig Geld rein. Kino ist nicht das teuerste Hobby, und man bekommt oft große Qualität. Was das zwischen Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, ist Kino für das Publikum nach wie vor eine attraktive Sache. Wenn man das Publikum auch künftig anlocken will, dann vielleicht mit einer anderen Art von Kino. Es könnte dann vielleicht reine Unterhaltung werden. Weniger ein Ort zum Nachdenken – eher Kunst, die Spaß macht.”

euronews:

“Fazit – was macht die Krise aus dem europäischen Kino?”

Claude-Eric Poiroux:

“Viele Länder haben immer noch nicht wirklich verstanden, dass Kultur wichtig ist als Antwort auf die Krise. Das ist meiner Ansicht nach, was wir in einigen Ländern spüren, vor allem in Spanien, auch in Italien, und in einigen Ländern Mitteleuropas. In Ungarn zum Beispiel wird einem klar, dass Dinge in ihrer Existenz bedroht sind, die Europa sehr gut drauf hat – Autorenkino, in der Regel von sehr guter Qualität, das bei den Zuschauern ankommt. Das Kino hat wirklich Bärenkräfte. Man sollte es nicht bremsen. Es sollte sich ausdrücken können – als echte Herausforderung.”