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Flüssiglinse stellt scharf
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Viele wichtige Augenblicke unseres Lebens betrachten wir durch die Linse eines Fotapparats. Scharfstellen und auf den Auslöser drücken, immer wieder, eine Selbstverständlichkeit, bis es zu Abnutzungserscheinungen kommt. Die Bildschärfe verblasst.

“Können wir uns eine Zukunft vorstellen, in der Kameras keine optische Mechanik mehr brauchen und Erschütterungen und Verschleißerscheinungen widerstehen und in der wir sogar auf das Stativ verzichten?”, fragt euronews-Reporter Claudio Rocco.

Dafür könnten künftig Flüssiglinsen wie diese sorgen. 1995 entwickelte der französische Physiker Bruno Berge in Lyon die wegweisende Technologie.
Anders als beim herkömmlichen Kameraobjektiv kommt die flüssige Linse ohne bewegliche Teile aus. Sie wird elektronisch scharf gestellt.

“In der Linse befinden sich zwei Flüssigkeiten, die sich nicht vermischen, wie Wasser und Öl”, erläutert Bruno Berge. “Unter der Einwirkung elektrischer Spannung verändert sich die Krümmung der durch die beiden Flüssigkeiten geformten Linse. Ähnlich wie beim Auge: Durch Muskelanspannung wird die Brechung der Linse verändert. Die Technologie ermöglicht es zum Beispiel, eine mit einer kleinen Flüssiglinse ausgestattete Kamera ganz ohne mobile Mechanik, ohne Motor und ohne verstellbare Optik sehr präzise, schnell, stabil und zuverlässig scharf zu stellen.”

Heute findet die Flüssiglinse vor allem in der Industrie Anwendung, zum Beispiel bei Scannern von Supermarktkassen oder Überwachungselektronik.
Auch für die Nutzung in mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets eignet sich die Technologie.

Im Labor demonstriert der Techniker, wie die Flüssiglinse scharf stellt. Ein einfacher Knopfdruck genügt. Schon erscheint das Motiv in glasklarer Schärfe, ohne dass dafür optische Linsen mechanisch bewegt werden müssen. Schneller als bei herkömmlichen Feststofflinsen, denn nur die Flüssigkeit wird verändert.

Die Flüssiglinse kann auch zur Stabilisierung des Bildes eingesetzt werden, wenn sich die Kamera wie hier auf einer bewegten Oberfläche befindet. Die Flüssiglinse gleicht ganz einfach die Bewegung aus. Aufs Stativ kann man somit verzichten.

Mit der Linsenflüssigkeit lässt sich auch die Bahn eines Laserstrahls verändern. Normalerweise geschieht diese mithilfe von Spiegeln, die mechanisch ausgerichtet werden. Die Flüssiglinse macht das elektrisch, präzise und schnell.

Für seine Entwicklung wurde der Franzose Bruno berge für den Europäischen Erfinderpreis nominiert in der Kategorie kleine und mittlere Unternehmen. Der Preis wird am 28. Mai vom Europäischen Patentamt in Amsterdam verliehen.

Claudio Rocco, euronews: “Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem neuen Linsentyp?”

Bruno Berge: “Auf die Idee kam ich, weil ich mit Flüssigkeiten arbeitete, mit der Veränderung der Form von Flüssigkeiten durch elektrische Spannung. Ich habe mehrere Versuche gestartet, die jedoch nicht funktionierten. Als ich anfing, mit der Flüssiglinse zu experimentieren, glaubte ich nicht, dass es klappen würde. Aber es funktionierte sehr gut, viel besser, als ich erwartet hatte. Das erzeugte eine Kraft , die mich bis heute antreibt.”

Claudio Rocco, euronews: “Wie fühlt man sich als Erfinder?”

Bruno Berge: “Für mich ist es sehr wichtig, ein Experiment aufzubauen. Und dann kommt der Moment, an dem man auf den Knopf drückt, nach drei oder sechs Monaten Vorbereitung, ist das einfach ein wunderbarer Augenblick.”

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