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Kritische Kunst aus China

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Kritische Kunst aus China

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So setzt sich das Künstlerduo Sun Yuan und Peng Yu mit der Wirklichkeit in seiner Heimat China auseinander: ein kollektiver Kalaschnikowdrill!
“SeeingIs Not An Option” heißt die Performance, sehen ist keine Option. Das könne unterschiedliche Gründe haben, erklärt Sun Yuan: “Weil die Augen verbunden sind, weil man blind ist oder weil es ganz einfach dunkel ist.”

Sun Yuan und Peng Yu sind bekannt für provokative, zum Teil schockierende Installationen. Die Unterwerfung des Individuums lautet ihr Leitthema. Und dass sie damit nicht allein dastehen, zeigt eine neue Ausstellung im Kiewer PinschukArtCentre mit Werken elf zeitgenössischer chinesischer Künstler.

Ai Weiwei, der Unbeugsame, ist der wohl mit Abstand bekannteste unter ihnen. Seine Installation “Rooted upon” ist in Kiew mit dabei, bestehend aus kargen Baumstämmen. Gleich daneben: “Fairytale”, 535 Schwarzweißporträts von Menschen in China.
Auch hier schwingt der Konflikt zwischen Individuum und Kollektiv. Kurator Bjorn Geldhof hat die Schau mit dem Titel “China China” zusammengestellt.

“Wir wollten unterschiedliche Haltungen vorstellen, die auf eine komplexe, dreidimensionale Weise zeigen, wie sich Individuum und Kollektiv ständig wandeln, wie sich unsere Gesellschaft, beziehungsweise das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Begriffen verändert.”

Das moderne China hat innerhalb kürzester Zeit einen radikalen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel erlebt, auf den viele Künstler reagieren. Zum Beispiel “Forever Bycicle” von Ai Weiwei. “Nach der Kulturrevolution war die Industrialisierung Chinas das große Ziel”, erläutert Bjorn Geldhof. “Und diese Fahrräder sind auf gewisse Weise das Symbol der Industrialisierung. Gestapelt und aufgetürmt wirken sie wie Wolkenkratzer, wie die Skyline einer neuen Stadt, dabei wird das Individuum reduziert, die Individualität beschnitten.”

“Undefine Revolution” heißt das Graffiti, mit dem der Künstler Sun Xun auf Parallelen zwischen der chinesischen und ukrainischen Geschichte hinweist: die Unterdrückung durch ein totalitäres Regime.

“Beide Länder haben in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen gemacht”, meint Bjorn Geldhof. “Doch mit dem Unterschied, dass die Ukraine einen anderen Weg als China gewählt in der Frage: Individuum oder Kollektiv.”
Vor den Türen der Kiewer Kunstgalerie überrascht die Installation des Provokationskünstlers Zhao Zhao. Die Statue eines chinesischen Polizisten in Einzelteile zerlegt. Der 31-Jährige entdeckte als Assistent für Ai Weiwei sein Interesse an politischer Kritik.
Für gewöhnlich werden Skulpturen von dieser Größe Stück für Stück zusammengesetzt, sagt er, er sei der erste Künstler in China, der eine Skulptur zusammensetzt und dann wieder auseinandernimmt.”

Zu sehen ist die Ausstellung bis Anfang Oktober in Kiew.