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Wahre Schicksale im Nebenprogramm von Cannes

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Wahre Schicksale im Nebenprogramm von Cannes

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Filmperlen und neue Regietalente entdeckt man auf dem Filmfestival von Cannes im Nebenprogramm “Quinzaine des Réalisateurs”. Der 1968 gegründete Parallelwettbewerb war Sprungbrett für einige heute weltbekannte Regisseure wie Werner Herzog, George Lucas oder Michael Haneke.
Der schweizerisch-iranische Filmemacher Kaveh Bakhtiari ist in diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei. Seine Dokumentation “L’escale” begleitet junge Migranten, die ihr Land verlassen und in Griechenland stranden in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Vorlage war das Schicksal eines seiner Cousins.
Kaveh Bakhtiaris viel beachtete erste Dokumentation wurde mit einem Minimalbudget gedreht.
“Ich stand unter großem Druck und folgte meinem Instinkt. Rückblickend glaube ich, dass mich meine Erfahrung als Regisseur von Fiktionen gerettet hat. So gelang es mir, von Menschen zu erzählen, die völlig isoliert werden. Von Griechenland sieht nichts in meinem Film. Ich konzentriere mich ganz auf die Menschen. Das erklärt, warum dieser Film nun in Cannes gezeigt wird.”

In “L’escale” berichtet ein 16-Jähriger, wie er zwei Tage lang mit Handschellen an eine Bank gekettet und wie ein Krimineller behandelt wurde. Dabei wollte er nur zu seinen Eltern nach Norwegen. Ob das ein Verbrechen sei, fragt der junge Mann verzweifelt.

“Ein entscheidender Moment des Films war für mich, als man mir die Frage stellte: Was hättest Du getan an meiner Stelle?”, erklärt der Regisseur.” Diese Frage machte mich sehr betroffen und mir kam einzig folgender Gedanke: Wenn bei mir als Europäer niemand mehr an die Tür klopft, bin ich an der Reihe mit dem Auswandern. Genau das geschieht doch schon in Griechenland, wegen der wirtschaftlichen Lage verlassen die Griechen ihr Land. Auch die Spanier. Die Portugiesen wandern aus nach Brasilien. Die Migrationsbewegungen sind dabei, sich umzukehren.”

Wolfgang Spindler, euronews: “Ein sozialpolitisch engagierter Dokumentarfilm, der uns Europäern zeigt, wie grausam die Wirklichkeit sein kann, wenn man nicht den passenden Pass hat, um in Europa mit offenen Armen empfangen zu werden.”