Eilmeldung

Eilmeldung

"Eure Kinder werden angegriffen": Motiv-Suche nach Londoner Soldatenmord geht weiter

Sie lesen gerade:

"Eure Kinder werden angegriffen": Motiv-Suche nach Londoner Soldatenmord geht weiter

Schriftgrösse Aa Aa

Nach dem Londoner Soldaten-Mord geht die Suche nach den Hintergründen der Tat weiter. Während Menschen am Tatort im multikulturell geprägten Stadtteil Woolwich Blumen und Trauerschreiben niederlegten, durchsuchte die Polizei im Zusammenhang mit dem Mord Anwesen im südlichen London.

Bei den Angreifern, die den britischen Soldaten vor einer Kaserne umbrachten, soll es sich laut der Polizei um britische Muslime mit Verbindungen nach Nigeria handeln. Mit der dortigen Islamisten-Sekte Boko Haram sollen sie aber wohl nichts zu tun haben.

Das Opfer, Lee Rigby, war 25 Jahre alt und Vater eines zweijährigen Jungen. Die Tat war gefilmt worden. Während auf den Videos zu sehen ist, wie einzelne Passanten weiterlaufen, setzt einer der Täter nach dem Mord mit blutverschmiertem Beil eine Botschaft ab.

“Ich entschuldige mich bei den Frauen, die dies mitansehen mussten, aber in unserem Land müssen Frauen dasselbe sehen. Setzt eure Regierungen ab, sie kümmern sich nicht um euch. Glaubt ihr, David Cameron wird in den Straßen angegriffen? Nein, es sind normale Leute wie ihr und eure Kinder. Also, werdet die Regierung los und sagt ihr, sie soll die Truppen abziehen, damit ihr alle in Frieden leben könnt.”

Als “Auge und Auge” bezeichnete er die Tat noch und rief “Allahu Akbar”, bevor er und sein Komplize von der Polizei niedergeschossen wurden. Beide sollen heute im Krankenhaus verhört werden. Es ist noch nicht klar, ob sie einer Organisation angehörten oder als sogenannte “einsame Wölfe” vorgingen.

Die Angreifer waren der Polizei schon vor der Tat bekannt. Das sagte Premierminister David Cameron, der gleichzeitig davor warnte, den Mord mit dem Islam in Verbindung zu bringen. Für die “widerwärtige” Tat seien einzig und allein die Täter verantwortlich, sie könnten sich nicht hinter der Lehre des Islams verstecken, so Cameron. Ähnlich äußerte sich auch Londons Bürgermeister Boris Johnson. Es sei falsch, sagte er, die Tat dem Islam oder der britischen Außenpolitik anzulasten. Schuld sei lediglich die verquere Geisteshaltung der Täter.

Der islamischer Kommentator Mohammed Ansar sagte gegenüber Journalisten: “Wir sehen hier, wie sich die Spannungen hochschaukeln. Wir erleben viel Hysterie gegenüber Muslimen und dem Islam, Angst, Hass, Fremdenfeindlichkeit gegenüber Ausländern und Einwanderern. Das ist ein politischer Hexenkessel, wo diese Art von Taten enormen Schaden auslösen können, es besteht die Gefahr, dass die einzelnen Gesellschaftsgruppen aufeinander losgehen.”

Nach dem als möglicher islamistischer Terrorakt gehandelten Anschlag verstärkt die Londoner Polizei ihre Präsenz. In der vergangenen Nacht war es bereits zu Protestkundgebungen und vereinzelten Angriffen auf islamische Einrichtungen gekommen. Die Tat spielt auch der rechte Organisation English Defense League in die Hände.

Deren Anführer Tommy Robinson sagte: “Genug ist genug. Das ist unsere Botschaft, es reicht. Wir haben schwache Führer, eine schwache Polizei. Unsere Polizei, unsere Führer drücken sich vor diesem Thema. Es geht um den politischen Islam. Der politische Islam breitet sich in diesem Land aus.”

Rund 250 Anhänger der Defense League versammelten sich in der Nacht nahe dem Tatort zu einer Anti-Islam-Demonstration.

Weiterführende Links

Reaktion von David Cameron auf der Seite des Regierungschefs
Reaktion von David Cameron auf der Seite der konservativen Partei
Reaktion von Londons Bürgermeister Boris Johnson
Reaktion von Labour-Chef Ed Miliband
Statement von Nick Clegg, Chef der Liberaldemokraten
Reaktion der UKIP
Reaktion der British National Party
Reaktion der English Defense League
Reaktion der Islamic Society of Britain
Reaktion des Muslim Council of Britain
Website der Londoner Polizei mit Hinweisen