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Von dubiosen Geschäften, politischer Nähe und einer Menge Geld

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Von dubiosen Geschäften, politischer Nähe und einer Menge Geld

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Christine Lagarde, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, im Visier der Justiz – einer ihrer Vorgänger an der Spitze des IWF, ihr Landsmann Dominique Strauss-Kahn, kennt dieses Gefühl. Während sich “DSK” einst wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung verantworten musste, steht Lagarde im Mittelpunkt einer Affäre um dubiose Finanz- und Firmengeschäfte. Es geht unter anderem um den Vorwurf der Veruntreuung öffentlicher Gelder.

1990 übernahm der Geschäftsmann Bernard Tapie den angeschlagenen Sportartikelhersteller Adidas und beauftragte drei Jahre später die französische Bank Crédit Lyonnais mit dem Verkauf des Unternehmens. Tapie erlöste umgerechnet 315 Millionen Euro und warf der Bank vor später, ihn betrogen zu haben. Die Bank habe ihm das Unternehmen zum Spottpreis abgenommen, darüber hinaus soll Crédit Lyonnais Adidas-Anteile über Zwischenfirmen gewissermaßen an sich selbst verkauft haben. 1994 war die Bank finanziell am Ende, der Staat griff ein, um den Zusammenbruch des Geldinstituts zu verhindern.

Tapie zerrte die Angelegenheit vor Gericht – das juristische Ringen endete erst 2007. Christine Lagarde, damals Frankreichs Justizministerin, setzte ein Schiedsgericht ein, das Tapie letztlich eine dreistellige Millionensumme als Entschädigung zusprach – aus der Staatskasse und damit aus Lagardes Verantwortungsbereich. Ein Umstand, der Lagarde aufgrund des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Mittel in Schwierigkeiten brachte. Seit Sommer 2011 beschäftigt sich die Justiz mit der Rolle der 57-Jährigen.

Tapie, Anfang der Neunziger Städte-Minister der sozialistischen Regierung, hatte bereits 2007 eine politische Vollbremsung und persönliche Kursänderung in Richtung des konservativen Nicolas Sarkozy, damals noch Präsidenschaftskandidat, hingelegt und stand ihm auch nach dessen Wahl nahe – und damit politisch auch dessen Parteigenossin und Ministerin Lagarde.

Die heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds hat bislang jegliche Vorwürfe zurückgewiesen. Sie habe lediglich ein für den Staat noch kostspieligeres rechtliches Tauziehen verhindern wollen, gab sie zu Protokoll.