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Prozessauftakt in Palermo: Von Paten, Polizisten und Politikern


Italien

Prozessauftakt in Palermo: Von Paten, Polizisten und Politikern

Gab es in den 90er Jahren Geheimverhandlungen zwischen der italienischen Regierung und der Mafia? Darum geht es bei einem nun beginnenden Prozess in Palermo. Die Staatsanwaltschaft will beweisen, dass Vertreter des Staates mit Mafiabossen um ein Ende der Gewalt verhandelten.

Zehn Menschen sitzen auf der Anklagebank – Paten, Polizisten und Politiker: Einer ist der frühere italienische Innenminister Nicola Mancino.

Für den Gewaltverzicht seien Hafterleichterungen erfolgt. Die Anklage lautet: Verschwörung gegen den Staat.

Mancino erklärte, er gehöre nicht zu den Menschen, die den Staat bekämpft hätten. Anderen solle deswegen der Prozess gemacht werden. Journalisten prangerten ihn an, dabei sei er nur wegen Falschaussage angeklagt, was zwar ein ernstzunehmendes, aber kein schweres Verbrechen sei.

Zur Prozesseröffnung reisten Mafia-Gegner aus allen Teilen des Landes nach Palermo. Sie alle gehören der Bewegung “Agende rosse” an. Der rote Taschenkalender des ermordeten Mafiajägers Paolo Borsellino wurde zum Symbol für den Kampf gegen die Mafia.

Die Staatsanwälte Borsellino und Giovanni Falcone waren 1992 bei einer Anschlagsserie getötet worden. Kurz zuvor soll die italienische Regierung erste Geheimverhandlungen in die Wege geleitet haben.

Zum Prozess in Palermo ist auch der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano als Zeuge vorgeladen.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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