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Bitcoins, digitale Goldgrube oder Fluch?

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Bitcoins, digitale Goldgrube oder Fluch?

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Geldscheine und Münzen, das war einmal! Die Wirtschaftskrise hat das Vertrauen in Banken und Währungssysteme erschüttert. Um so stärker interessiert sich die Finanzwelt für eine neue, virtuelle Onlinewährung, garantiert fälschungssicher und unabhängig von Notenbanken: den Bitcoin. 2009 fiel der digitale Groschen. Ein geheimnisvoller Entwickler namens Satoshi Nakamoto brachte die Parallelwährung auf den virtuellen Markt. Anfangs als Spielerei von Internetfreaks belächelt, ist der Bitcoin zu einem begehrten Spekulationsobjekt geworden. Die beiden Programmierer Stefan Thomas und Luzius Meisser gehören zu den Geburtshelfern der virtuellen Währung, die auf Kryptografie beruht. Der Einsatz zahlt sich aus, die beiden Entwickler haben damit schon richtig Geld verdient. Das sei die Zukunft, meint Stefan Thomas.
“Bei Bitcoin vertraut man keiner bestimmten Person, auch keinem Entwickler, sondern man vertraut dem Code selbst. Den Code kann jeder nachschauen und das haben sich auch Hunderte Entwickler schon angeschaut und sich gefragt, ob Bitcoin wirklich so funktioniert wir versprochen. Das ist meiner Meinung nach eine stärkere Art von Vertrauen. Man sagt ja auch, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.”

“Mir gefällt die Idee, dass der Zahlungsverkehr frei sein kann”, fügt Luzius Meisser hinzu. “Das ist ein bisschen wie Meinungsfreiheit. Das ist einfach eine Grundfreiheit, dass man auch sein Eigentum bewahren und frei verschicken kann, und dass man frei ist von staatlichen Einrichtungen.”

Bitcoins sind verschlüsselte Datensätze, die von Nutzern selbst in die Welt gesetzt werden, aber nur insgesamt 21 Millionen Bitcoins. Diese systemeigene Grenze macht die Währung angeblich sicher und Inflations-resistent.
Gehandelt wird mit dem Geld anonym an Bitcoin-Börsen. Jeder Zahlungsvorgang trägt ein eigenes elektronisches Siegel. Das Geld kann nach Belieben in Yen, Dollar oder Euro getauscht werden. Umrechnungskurse gibt es auch für andere Währungen dem jeweiligen Tageskurs entsprechend.

Erzeugt werden Bitcoins im Netzwerk, das nennt sich Mining, Goldschürfen, ganz wie in der Grube. Dafür braucht man leistungsstarke Computer, je mehr Rechenpower, desto größer die Ausbeute.

Kaufen kann man sich dafür theoretisch eigentlich alles, praktisch aber nur dort, wo die Nischenwährung akzeptiert wird, also vor allem im Internet. Auf Bitcoin-Seiten kann man digital Pizza bestellen, Computerzubehör und sogar Autos kaufen, oder die Traumreise buchen. Auch in der wirklichen Welt funktioniert das Bitcoin-Portemonnaie in Form einer App auf dem Smartphone bei einigen wenigen Händlern, Bars oder Cafés, die sich auf das neue Geschäft einlassen.

Bitcoins im Wert von über einer Milliarde Euro sind angeblich bereits im Umlauf. Allerdings ist der Kurs starken Schwankungen unterworfen. Finanzexperten warnen vor einer Spekulationsblase, die jederzeit platzen könnte.
Staatliche Behörden in Europa und den USA wollen den Handel mit der digitalen Währung deswegen regulieren.

Jede Münze hat nun mal zwei Seiten. Die Schattenseite der Bitcoins erläutert Währungsexperte Sergio Rossi von Universität im schweizerischen Freiburg: “Man weiß nicht, woher die Kaufkraft der Währung stammt, man weiß nicht, wer sich dahinter versteckt. Es gibt keine Bank, keine Aufsichtsbehörde. Das ist problematisch, weil es die Stabilität des gesamten Wirtschaftssystems ins Wanken bringen kann.”

Schon jetzt wird die Währung nicht immer zu redlichen Zwecken eingesetzt, dient etwa der Beschaffung von Drogen, Waffen oder gefälschten Ausweisen.

Die USA haben inzwischen stärkere Regeln für den Bitcoin-Handel gefordert. Die Europäische Zentralbank warnt vor einem Schneeballsystem, bei dem bei letztlich nur wenige profitieren und am Ende viele draufzahlen.