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Drogenkonsum in Europa: Weniger Heroin, mehr Ecstasy

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Drogenkonsum in Europa: Weniger Heroin, mehr Ecstasy

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Die Krise in Europa wirkt sich offenbar auch negativ auf den Kampf gegen Drogen aus. Wegen der Sparpolitik in vielen Ländern drohen die Ausgaben für Anti-Drogen-Programme gekürzt zu werden. Das schreibt die in Lissabon ansässige Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht in ihrem neuen Bericht für das vergangene Jahr. Allerdings gibt es darin auch gute Nachrichten.

euronews-Reporter Tiago Braga Marques: “Der diesjährige Report vermeldet eine positive Entwicklung, was den Drogenkonsum in Europa angeht. Vor allem die Zahl der Heroinsüchtigen und der Konsum intravenöser Drogen haben abgenommen. Auch Kokain und Cannabis wurden in einigen Ländern seltener konsumiert.”

Während 2012 der Gebrauch mancher Drogen sank, stieg gleichzeitig die Anzahl von Drogenbehandlungseinrichtungen in Europa. Gut die Hälfte der rund 1,4 Millionen Opium- und Heroinsüchtigen erhält eine sogenannte Substitutionstherapie. Die Gesundheitsversorgung könnte nun wegen der Sparpolitik allerdings bedroht sein, mit schwerwiegenden Folgen. So ist Hepatitis C unter Drogensüchtigen weit verbreitet, je nach Land sind bis zu 80 Prozent von ihnen betroffen. Die Sterblichkeit ist gut 10 bis 20 Mal höher als bei Nichtsüchtigen.

Während Drogen wie Cannabis, Kokain oder Heroin vergangenes Jahr seltener genutzt wurden, stieg der Konsum synthetischer Drogen deutlich an. Besonders Ecstasy und Amphetamine gehörten zu den meistgeschluckten Drogen in Europa. Rund 2 Millionen Menschen haben hier derartige Substanzen konsumiert.

Große Sorgen bereiten der Beobachtungsstelle dabei neu aufgetauchte Drogen. Der Markt ist dynamisch und wechselhaft, die Drogenvielfalt nimmt immer weiter zu. So wurden 2012 73 neue Substanzen festgestellt, 2011 waren es 49. Viele sind cannabisähnlich, andere basieren auf bislang unbekannten chemischen Rezepturen.

Für Laurent Laniel von der Beobachtungsstelle ist besonders die Neuartigkeit ein Problem: “Diese Drogen sind erst seit kurzem auf dem Markt, wir wissen nichts über sie. Die Produzenten kennen mit Chemie sehr gut aus, und daher finden sie immer wieder neue Substanzen, die sie verkaufen. Und da diese Drogen nicht auf unserer Liste stehen, werden sie wie andere Produkte verkauft. Es ist daher enorm schwierig, Informationen darüber zu erhalten, denn zunächst muss man die Drogen überhaupt entdecken und zweitens muss man dann klären, worüber man genau spricht. Die gleiche Marke, die gleiche Verpackung, in der man Droge Y in einem Land kauft, enthält in einem anderen Land die Droge Z, in denselben Verpackungen also und hinter derselben Marke verbergen sich unterschiedliche Substanzen. Es gibt daher zahlreiche Probleme mit diesen neuartigen Drogen, das ist eine schwere Herausforderung.”

Laut Europol werden viele dieser Drogen aus China oder Indien als sogenannte Legal Highs importiert.