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Trübe Wirtschaftsaussichten für Europa

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Trübe Wirtschaftsaussichten für Europa

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Die einen geben kräftig Gas – die USA beispielsweise: Dort wird die Wirtschaft in diesem Jahr um 1,9 Prozent wachsen. Auch Japan lässt die Krise hinter sich: Dort wächst die Wirtschaft voraussichtlich um 1,6 Prozent. In Europa hingegen sieht die Lage düster aus: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schätzt, dass die Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent schrumpfen wird. Von der EU-Kommission kommen zwar Ermahnungen, zugleich aber zeigt Brüssel Nachsicht: Sechs Euro-Länder bekommen mehr Zeit zum Sparen, darunter Frankreich, Spanien und Belgien. Italien soll ganz aus dem Defizit-Strafverfahren entlassen werden. Die EU-Finanzminister müssen die Vorschläge noch billigen. Eine große Herausforderung ist die Arbeitslosigkeit, besonders unter Jugendlichen. Der OECD zufolge wird sie noch weiter steigen. Die Aussichten bleiben somit trübe, nicht nur was das derzeitige Wetter anbelangt.

Mit Carlo Padoan, dem stellvertretenden Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,
wollen wir versuchen, Europa aus einer globalen Perspektive zu betrachten. Zunächst: Herzlich willkommen!

Euronews:
Die USA scheinen die Krise überwunden zu haben, das Wachstum wird dort voraussichtlich 1,9 Prozent betragen, während die Wirtschaft Europas um 0,6 Prozent schrumpfen wird. In den USA beträgt die Arbeitslosenquote 7,5 und in Europa 12 Prozent, wo sie weiter steigen wird. Was funktioniert in den USA, in Europa aber nicht?

Carlo Padoan:
In den USA ist die Finanzkrise sofort bekämpft worden, marode Banken wurden wieder funktionstüchtig gemacht. Die Familien und der private Sektor passten ihre Haushalte vor allen anderen an, so dass die Immobilienpreise inzwischen steigen und der Wohlstand wieder etwas höher ist. In Europa aber funktioniert das Finanzsystem immer noch nicht gut und die private Verschuldung steigt weiterhin.

Euronews:
Hat Europa zu spät reagiert?

Carlo Padoan:
Freilich hat Europa zu spät reagiert und das Risiko wächst mit der zögerlichen Verwirklichung der Bankenunion.

Euronews:
Die OECD sagt Europa Schlimmeres voraus als die EU-Kommission: Der OECD zufolge geht es mit Frankreich und Italien weiter abwärts. Energie-Kommissar Oettinger wirft Brüssel vor, die Lage zu unterschätzen und der Krise viel zu freundlich zu begegnen. Was halten Sie davon?

Carlo Padoan:
Ich will zweierlei sagen: In fast der gesamten Eurozone greifen die Anpassungen inzwischen. Bereits im nächsten Jahr ist es möglich, dass die Schulden in vielen Ländern nicht mehr wachsen sondern abnehmen. Europa muss allerdings die strukturellen Reformen fortsetzen und die steigende globale Nachfrage nutzen.

Euronews:
In Ihrem Bericht wird eine gewisse Laxheit bei der Umsetzung struktureller Reformen bemängelt. Welche Folgen könnte das für die Staaten der Eurozone nach sich ziehen?

Carlo Padoan:
Es besteht das Risiko, dass die Ergebnisse der Anpassung, die oft mit einer hohen Arbeitslosigkeit einhergeht, wieder verlorengehen. Stattdessen könnte man einem Wendepunkt nahe sein. Die Reformen, die in den einzelnen Ländern notwendig sind, unterscheiden sich freilich voneinander. In Griechenland ist mehr Wettbewerb bei den Markterzeugnissen notwendig, Spanien braucht eine Bankenreform, in Italien steigt die Produktivität viel zu langsam an. Würde man mit allen Reformen gleichzeitig vorankommen, hätten alle Länder und zugleich Europa etwas davon.

Euronews:
Zu große Sparsamkeit schadet dem Erholungsprozess?

Carlo Padoan:
Sparprogramme wirken sich auf das Wachstum negativ aus. Doch Europa hat bei der finanziellen Anpassung Fortschritte gemacht. Um deutlich zu sein: Damit nähern sich die Sparprogramme ihrem Ende.

Euronews:
In Griechenland und Spanien ist die Hälfte der Jugendlichen ohne Job. Nach Ansicht Werner Hoyers, des Chefs der Europäischen Investitionsbank, sind keine Wunder möglich. Handelt es sich um eine arbeitslose Generation?

Carlo Padoan:
Das Risiko besteht, eine ganze Generation zu verlieren. Es stimmt, dass Wunder nicht möglich sind, doch es gibt Lösungsmöglichkeiten: Zum einen müssen Anreize für Unternehmen geschaffen werden, damit diese junge Leute einstellen. Auch müssen die Chancen junger Menschen verbessert werden, auf den Arbeitsmarkt zu gelangen. Zum anderen müssen diese Anreize – sei es auch nur kurzfristig – finanziert werden.

Euronews:
Sollte die Eurozone mit einer offensiven Geldpolitik vorangebracht werden?

Carlo Padoan:
Kurzfristig sollte die Europäische Zentralbank die Nachfrage mit unorthodoxen Methoden unterstützen, denn die Inflation geht zurück. Doch die Bankenunion sollte zu einem guten Ende gebracht werden, denn ohne Bankenunion kann es keine gute Geldpolitik geben, auch das Wachstum kann nicht zurückkehren.

ENDE