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Richard Galliano spielt Klassik auf dem Akkordeon

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Richard Galliano spielt Klassik auf dem Akkordeon

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Richard Galliano ist seit fast 60 Jahren Musiker. Mit seinem Akkordeonspiel haucht er der Klassik neues Leben ein. Bereits 2010 veröffentlichte er ein Album mit Bachwerken, im April dieses Jahres eine CD mit Stücken von Vivaldi. Zum Beginn seiner Welttournee traf euronews den Künstler bei seinem ersten Konzert in Paris.

Richard Galliano:

“Ich habe schon immer klassische Musik auf dem Akkordeon gespielt, auch wenn das ein bisschen ungewöhnlich ist, schon im Alter von 20, 21 Jahren. Aber auf der Bühne zu spielen, war nie meine Sache. Ich hatte immer ein bisschen Angst vor dem Lampenfieber. An dem Abend, als ich das erste Mal vor Publikum spielte, hatte ich furchtbares Lampenfieber, das habe ich vermieden, als ich 20 war.”

“Zuerst kam mir die Idee, Werke von Bach zu spielen. Seine Musik lässt sich ohne Probleme auf das Akkordeon übertragen. Als wäre sie für das Akkordeon komponiert worden. Ich spielte die Solopartien, die Bach für Flöte,
Oboe oder Cembalo geschrieben hatte. Zweitens hatte ich die Idee, Vivaldi zu spielen. Denn das Akkordeon hat eine ähnliche Klangbreite wie die Geige. Aber Vivaldi ist sowohl auf dem Akkordeon wie auf der Geige sehr schwer zu spielen.”

“Hätten meine Versionen Bach oder Vivaldi gefallen? Ich bin davon überzeugt, dass sie ihnen gefallen hätten, denn meine Interpretationen geben dieser Musik einen neuen Sinn. Sie ist dermaßen bekannt, man muss sich anstrengen und etwas riskieren, um nicht in der Komfortzone zu bleiben.”

Gallianos Musik ist auch eine Hommage an seinen Freund und Mentor Astor Piazzolla. Er mischt seinen Tango “Vier Jahreszeiten” mit Vivaldis Klassiker.

Richard Galliano:

“Astor Piazzolla wurde von Vivaldi beeinflusst, dieser kleine kurze Tango über die Jahreszeiten gleicht dem Stück von Vivaldi. Man findet den gleichen Aufbau, die gleiche Suche nach der Melodie. “

“Wenn man Musik macht, bleibt man immer ein wenig wie ein Teenager. Und das ist gut so. Denn es zwingt einen, jung und aufgeschlossen zu bleiben.”

Der französische Violinist Jean-Marc Phillips-Varjabédian erzählt von den Anfängen ihrer Zusammenarbeit:

“Wir kennen uns seit mehr als 25 Jahren. Zu der Zeit spielte ich in einem Kammerorchester. Ich lud Richard ein, in unserem Orchester Klassik zu spielen. Ich glaube, das waren wohl Richards erste Erfahrungen damit. Und ich war ein Fan von Piazzola. Wir hatten die Idee, mit dem Orchester Tango zu spielen. Also machte sich Richard daran, eine Transkription, eine Orchestrierung dafür zu schreiben. So begann das Abenteuer mit unserer Gruppe.

Das Akkordeon hatte schon immer seinen Platz in der klassischen Musik, denn es wurde erfunden, um die Orgel in den Salons zu ersetzen. In Russland war das ganz normal.

Bloß hier im Westen sind wir in dieser Hinsicht ein wenig hintendran. Da ist es vielleicht ganz gut, dass ein großer Star wie Richard uns zeigt, dass das Akkordeon sehr gut zu Bach und Vivaldi passt.”