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Die Stunde Afrikas

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Die Stunde Afrikas

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Marrakesch, Marokko. Wo sich zuweilen der internationale Jetset ein Stelldichein gibt, treffen sich in dieser Woche Banker, Ökonomen, Minister und Unternehmer zur jährlichen Versammlung der Afrikanischen Entwicklungsbank. Der Kontinent verzeichnete im Jahr 2012 ein Wachstum von aussichtsreichen 6,6 Prozent, allerdings mit einem bitteren Beigeschmack.

“Von diesem Wachstum haben nicht alle profitiert. Viele sind dabei leer ausgegangen. Wir müssen also die Qualität dieses Wachstums verbessern. Unsere Jahrestreffen konzentrieren sich deshalb auf strukturelle Veränderungen. Wie können wir die Volkswirtschaften so umbauen, dass deren Wachstum allen zugute kommt”, so Mthuli Ncube, Vizepräsident der Afrikanischen Entwicklungsbank.

Der Export von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist längst nicht mehr der einzige, mit Sicherheit aber immernoch der leistungsstärkste Wirtschafsmotor des Kontinents. Doch entstehen in diesen Bereichen noch zu wenig neue Arbeitsplätze und die Gewinne fließen nur selten in den Ausbau der Industrie.

Doch genau auf diesen Ausbau ist Afrika angewiesen, weiß Lamido Sanusi, von der Nigerianischen Zentralbank: ““Warum sollte Nigeria Plastik aus China importieren, wenn wir doch selbst Erdöl fördern und dies doch selbst weiterverarbeiten könnten. Es gibt keinen Grund, Reis aus Thailand zu importieren oder Tomatenmark aus China oder Europa. Wir brauchen einen andauernden ökonomischen Wandel mit dem Ziel der wirtschaftlichen Selbstständigkeit. Was in Afrika produziert werden kann, sollte auch hier produziert werden. Das andere kann dann importiert werden.”

Der westafrikansiche Staat Togo hat sich dieser Herausforderung bereits gestellt, wie der Finanzminister des Landes, Adji Otéth Ayassor erklärt. “Wir planen, unser Phosphat direkt in Dünger umwandeln zu können. Im Moment sind wir in der Aufbauphase und errichten die nötigen Fabriken. In der Landwirtschaft ist es ähnlich. Auch da müssen wir technisieren – das ist unser Ziel, kurz- und langfristig”, so Ayassor.

Der wirtschaftliche Wandel soll dauerhaft Arbeitsplätze vor Ort schaffen. Personalfachleute monieren allerdings einen Mangel an qualifiziertem Personal. “Wir haben eine große Studie anstellen lassen, um die Bedürfnisse der Unternehmen auf dem Kontinent kennenzulernen”, sagt der Präsident der Personalvermittlung Afric Search, Didier Acouetey. “Dabei kam heraus, dass Technniker, Ingenieure, Erdarbeiter und Elektriker gebraucht werden. Aber genau in diesen Berufen werden in Afrika zu wenig Menschen ausgebildet.”

Angesichts eines explosionsartigen Anstiegs der afrikanischen Bevölkerung ist ein verbessertes Bildungssystem absolut notwendig. Denn bis 2050 werden 21 Prozent der weltweiten Arbeitskraft auf dem afrikanischen Kontinent liegen. “In den nächsten 50 Jahren wird zu den 1,2 Milliarden Afrikanern noch einmal eine Milliarde hinzukommen. Das sollte für den Rest der Welt doch die Gelegenheit sein, uns als Partner zu begreifen und auch als solchen zu behandeln”, resümiert Mthuli Ncube. Ein Eindruck, den die nach Marrakesch gereisten Experten teilen. Afrikas Stunde, so sind sie sicher, ist gekommen.