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Eigenwilliger Superdribbler: Exklusiv-Interview mit Neymar

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Eigenwilliger Superdribbler: Exklusiv-Interview mit Neymar

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Es war das übliche Spielchen. Gerüchte, Dementis und am Ende war es doch wahr. Der brasilianische Jungstar Neymar wechselt zum FC Barcelona – der 21-Jährige kündigte an, am Montag einen Vertrag mit den Katalanen zu unterzeichnen. Dem Jüngling mit dem Hang zu eigenwilligen Frisuren eilt ein zweifelhafter Ruf voraus. Starallüren, eine theatralische Ader und ein schwieriger Charakter – gleichwohl ein begnadeter Fußballer.

“Hier in Santos spielte auch der große Pélé”, sagt euronews-Reporterin Claudia Garcia. “Die Vergleiche mit dem wohl besten Fußballer des vergangenen Jahrhunderts reißen nicht ab. Pélé wurde dreimal Weltmeister, in Brasilien wartet man ungeduldig auf den nächsten Titel – bei der WM 2014 im eigenen Land.”

“Wenn man ein großer Spieler werden will, muss man Weltmeister werden. Wir hoffen alle, dass Brasilien im nächsten Jahr den Titel holt – Neymar wird dabei helfen”, sagt Romário, Weltmeister von 1994, der einst ebenfalls für den FC Barcelona spielte.

Seit 2003 trägt Neymar das Trikot des FC Santos und gab vor drei Jahren sein Debüt in der seleção. Zweimal, 2011 und 2012, wurde der 21-Jährige zu Südamerikas Fußballer des Jahres gekürt. Mit dem Druck, als Hoffnungsträger für die Weltmeisterschaft 2014 zu gelten, muss er umgehen.

“Die Zeit dieses brasilianischen Teams wird kommen”, so Neymar. “Mit Felipe Scolari haben wir einen neuen Trainer. Dadurch hat sich die Taktik geändert – wir werden uns als Mannschaft weiter verbessern.”

euronews: “Haben Sie Angst, dass Brasilien bei der WM enttäuschen könnte?”

Neymar: “Nein, bei einer WM kann man natürlich gewinnen und verlieren. Das ist uns klar. Aber wir werden siegen. Aus meiner Sicht ist Argentinien der größte Konkurrent.”

euronews: “Also gibt es ein Finale zwischen Messi und Neymar in Maracanã?”

Neymar: “Wenn das Gottes Wille ist. Ich hoffe darauf.”

euronews: “Das ist Ihr großer Traum?”

Neymar: “Ja, klar. Ein WM-Finale gegen Argentinien ist mein größter Traum.”

In Brasilien ist Neymar bereits ein Held. Dass er auch beim FC Barcelona glänzen kann, muss er erst noch beweisen. In Spielen mit der seleção gegen europäische Teams enttäuschte er bisher. Von diesem leichtfüßigen Techniker, der Spiele im Alleingang entscheidet, war dann nicht mehr viel zu sehen.

“Wenn ich in Europa spiele, werde ich meinen Stil nicht ändern”, sagt Neymar. “In einem normalen Match für Santos versuche ich vielleicht 15 Dribblings und komme auch nicht immer durch. Aber die meisten Kritiker sehen mich auch nur in ganz wenigen Spielen. Ich sehe keinen Unterschied zwischen dem Fußball in Brasilien und in Europa. Fußball ist Fußball. Und wenn man an seinen Fähigkeiten arbeitet, dann schafft man auch in Europa den Durchbruch. Es gibt da keinen großen Unterschied”, meint er.

Der FC Santos konnte sich in den vergangenen Jahren vor Angeboten für Neymar kaum retten. Aber er blieb seinem Club treu. Vielleicht auch ein Zeichen für eine Wende im brasilianischen Fußball. Denn dank einer starken Wirtschaft sind manche Teams inzwischen in der Lage, finanziell mit vielen europäischen Konkurrenten mitzuhalten. Und einige Ex-Stars wie Clarence Seedorf, Ronaldinho oder Adriano nutzten die Gelegenheit, um im Herbst ihrer Karrieren in der Heimat noch einmal das Konto zu füllen.

“Das ist leicht zu erklären”, meint Romário. “Einige private Unternehmen investieren in den Fußball, weil Brasilien die nächste Weltmeisterschaft austrägt. Die Nationalspieler sind für diese Firmen attraktiv und so erhalten auch die Clubs mehr Attraktivität. Die Wirtschaft schmückt sich also mit diesem Spielern und Clubs. Und ich hoffe, dass es so weitergeht, damit weitere gute Spieler in der brasilianischen Liga spielen. Aber ich glaube, dass sich die Lage nach der WM wieder ändert.”

Der Wechsel Neymars zum FC Barcelona zumindest zeigt, dass der alte Mechanismus nach wie vor existiert. Früher oder später wechseln die besten Spieler nach Europa. Alte Rituale sind eben schwer aufzubrechen.