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Wetterkapriolen: Der Süden friert, der Norden schwitzt

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Wetterkapriolen: Der Süden friert, der Norden schwitzt

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Wer dieser Tage in den Pyrenäen Ski fahren will, kann das tun. Zum ersten Mal hat die Skistation in Porté-Puymorens in den französischen Pyrenäen ihre Pisten wieder geöffnet. Dabei war die Saison längst vorbei. Die niedrigen Frühlingstemperaturen haben nun aber dazu geführt, sich der Schnee vom letzten Winter gehalten hat. Zuweilen lagen die Mai-Werte tagsüber bei gerade mal einem Grad Celsius.

Inzwischen steht es offiziell fest: Der meteorologische Frühling war in Westeuropa kälter und sonnenärmer als sonst. In den Pyrenäen hat man sich daran angepasst, wie Jean Luc Recouderc, der Inhaber eines Ski-Ladens in Porté-Puymorens erzählt.

“Normalerweise sind wir zu dieser Jahreszeit im Tal, ich habe dort Pfirsiche und Nektarinen. Aber die Früchte kommen später und die Ski-Saison geht weiter.”

In den Ebenen schneit es nicht, dafür regnet es. Die Folge sind Hochwasser und überschwemmte Ortschaften. Immerhin war dieser Frühling im Westen Europas auch regenreicher, als er es normalerweise ist.

Die häufigen Regenfälle haben die Grundwasserspeicher aufgefüllt und die Erde getränkt. Allerdings ist auch die Gefahr von Erdrutschen gestiegen, wie man im thüringischen Bad Salzungen erfahren durfte. Dort blieb es nicht bei der Gefahr allein.

Um diesen launischen Frühling zu verstehen, fragen wir nach bei Corentin Fournau vom Königlichen Meteorologischen Institut Belgiens.

“Ein Tiefdruckgebiet hat sich über Zentraleuropa gebildet und dieses Tiefdruckgebiet hat kalte Luft vom Nordpol zu uns gebracht. Das erklärt, warum es so kalt ist. Da sich die Luftströme in dieser Tiefdruckzone über Zentraleuropa gegen den Uhrzeigersinn bewegen, ziehen sie auf der anderen Seite wärmere Luft aus Afrika in Richtung Nordskandinavien, nach Lappland, wo wir kürzlich eine Rekordtemperatur von 29 Grad gemessen haben, zehn Grad mehr als der normale Durchschnitt.”

Im schwedischen Lulea, 900 Kilometer nördlich von Stockholm und 200 Kilometer südlich des Polarkreises, genießen die Menschen die ungewöhnlich warmen Tage.

Die Anwohnerin Birgitta Lahti sitzt im Café und meint: “Ich sitze hier und genieße es natürlich, vor allem können wir draußen schwimmen. Das ist so toll, erst ein Sport machen und dann zu schwimmen. So macht das Leben Spaß, wir können das jetzt hier machen und müssen nicht wegfahren. Das ist toll.”

Nicht alle jedoch freuen sich. Für die Rentiere mit ihrem dichten Fell etwa ist es ganz klar viel zu warm.