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Tausende protestieren gegen Gewalt und Erdogan

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Tausende protestieren gegen Gewalt und Erdogan

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Aufbegehren in Istanbul: Etwa tausend Menschen machen sich auf den Weg zum Taksim-Platz im europäischen Teil der Stadt. Dort soll eine Shoppingmall auf dem Gelände eines großen Parks erbaut werden. Aber es geht schon längst nicht mehr um die Bäume, die Wut der Demonstranten richtet sich gegen das willkürliche Vorgehen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Sie werfen ihm vor, ein Despot zu sein und fordern lautstark seinen Rücktritt.

Was sich im Gezi-Park abspielt, erinnert bisweilen an den Tahrir-Platz der ägyptischen Revolution. In der Türkei brodelt es schon länger, in Istanbul kommt es fast jeden Monat zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Bürgern. Eine Frau sagte: “Die Polizei wendet Gewalt an. Sie setzt überall Tränengasbomben ein.” Ein Demonstrant fügte hinzu: “Wir wollen, dass sie den Park den Menschen lassen. Doch die Situation eskaliert. Wir wehren uns jetzt gegen die Versuche die Proteste niederzuschlagen.”

Die Protestwelle erreicht auch die Hauptstadt Ankara. Das türkische Fernsehen schenkt den Ereignissen bislang nur wenig Beachtung und mehrere türkische Journalisten klagen, man habe sie unter Druck gesetzt, die Nachricht zu zensieren. In der regierungsnahen Presse konnte man lesen, Demonstranten, die bei den Protesten verletzt wurden, seien selbst schuld.

Erdogan ist seit mehr als zehn Jahren an der Macht, einer jüngsten Umfrage zufolge wird er noch von der Hälfte der Bevölkerung unterstützt.