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Biennale in Venedig mit Kunst von Ai Weiwei

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Biennale in Venedig mit Kunst von Ai Weiwei

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Und wider ruft die Biennale di Venezia, auch bekannt als die Olympischen Spiele der zeitgenössischen Kunst. 88 Nationen stellen diesmal aus in den Giardini und im Arsenale. Den Bau eines fiktiven Tunnels von Israel bis in die Gondelstadt dokumentiert Gilad Ratman im israelischen Pavillon. Anspielungen an tatsächlich existierende Tunnel sind nicht rein zufällig. “Ich mache keine politische Kunst in dem Sinne, dass ich für eine bestimmte Sache kämpfe”, erklärt der Künstler. “Ich setzte mich mit der Idee des Widerstands und der Bewegung auseinander. Und natürlich sind dort, wo ich herkomme, Tunnel ziemlich relevant. Aber es gab sie schon immer in der Geschichte.”

Im US-Pavillon hat Sarah Sze ein zierliches Gebilde aus Alltagsgegenständen aufgetürmt. “Triple Point” heißt die raumfüllende Installation, das Material stammt aus der Lagunenstadt.

Die Kornweihe ist ein vom Aussterben bedrohter Greifvogel, den Prinz Harry 2007 angeblich versehentlich abschoss. Turner Preisträger Jeremy Deller kritisiert das Verhalten und holt aus zu einem ironischen Schlag gegen das Establishment im britischen Pavillon. Monarchie, Regierung und Kapitalismus bekommen ihr Fett weg.

Der russische Künstler Vadim Zakharov lässt Gold regnen. Zugang nur für Frauen, die sich beim Einsammeln mit durchsichtigen Schirmen schützen.

Die Behörden haben ihm die Reise nach Venedig verboten, dennoch ist der Chinese Ai Weiwei präsent auf der 55. Kunstbiennale, in den Köpfen der Menschen und durch die Kunst. Seine zweieinhalbmonatige Haft im Jahr 2011, die Ai bereits in dem Videoclip “Dumbass” verarbeitete, steht im Zentrum der Ausstellung S.A.C.R.E.D.

In einer zur Galerie umfunktionierten Kirche hat Ai schwere Eisenboxen aufstellen lassen. Über kleine Öffnungen können Besucher darin Szenen aus der Zeit im Gefängnis beobachten: der Künstler neben Wärtern beim Schlafen, Essen, Duschen und im Verhör. Die Installation kam auf geheimen Wegen nach Venedig. Die 80-jährige Mutter des Künstlers sah das Werk zum ersten Mal bei der Eröffnung der Ausstellung. Die Kunstbiennale von Venedig geht bis zum 24. November.