Eilmeldung

Eilmeldung

Auch in Japan: Kapital ist ein scheues Reh

Sie lesen gerade:

Auch in Japan: Kapital ist ein scheues Reh

Schriftgrösse Aa Aa

Ohne Vertrauen ist der Wert des Geldes eine Illusion. Diese bittere Erfahrung droht Japans Ministerpräsident Shinzo Abe: Seine Rosskur für die japanische Wirtschaft stößt weithin auf Unglauben. Die Finanzmärkte reagierten auf die neusten Pläne enttäuscht.

Abe will mit einer aggressiven Ausweitung der Geldmenge und expansiver Fiskalpolitik (ungeachtet der extrem hohen Staatsverschuldung) Wachstum erzwingen.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe:

“Wir wollen nach zwei Jahrzehnten der Stagnation umschalten auf zehn Jahre Aufschwung. Dazu braucht man Mut, Offenheit, Innovation und Einsatz. Mit diesem Wachstumsplan wollen wir die japanische Wirtschaft neu ausrichten und die Nation von der Stagnation zum Aufschwung bringen.”

Reformen und Sonderwirtschaftszonen sollen die expansive Strategie ergänzen – sie hatte die Märkte vorerst beflügelt. Der Gesundheitssektor sei ein wichtiger Wachstumsmarkt, so die Regierung. In den Sonderwirtschaftszonen sollen unter anderem auch ausländische Ärzte praktizieren dürfen. Ein Investitionsschub in die Energieversorgung und steigende Einkommen sollen die Nachfrage ankurbeln. Doch Abes Plan ist vorerst durchgefallen.

Ökonomen mahnen unter anderem eine rigorose Reform des Arbeitsmarktes und geringere Unternehmenssteuern an. Manche bezweifeln denn auch, dass Abes Vorschläge ausreichen, um Japan tatsächlich zu einem selbsttragenden Wachstum zu verhelfen.

In den vergangenen zehn Jahren haben japanische Ministerpräsidenten schon viele “Wachstumsstrategien” verkündet – ohne große Wirkung. Kritiker befürchten, dass es auch diesmal an wirklich einschneidenden Strukturreformen fehlen könnte. Angesichts der aggressiven Geldpolitik drohe vielmehr eine neue Blase.

Der Nikkei-Index an Tokios Börse stürzte auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten.

Mit Reuters, dpa