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Cecilia Bartoli: Eine neue Vision der "Norma"

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Cecilia Bartoli: Eine neue Vision der "Norma"

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Norma – ein Klassiker der Opernbühne, und in diesem Jahr in ganz neuem Gewand auf dem Festspielplan in Salzburg: Die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli zeigt eine neue Fassung der Oper von Vincenzo Bellini, die mehr der Originalfassung aus Bellinis Zeiten entspricht als die Aufführungen des 20. Jahrhunderts.

Musica filmte die Klavierprobe.

Schon die Sicht auf die Rolle der Protagonistin sei anders, erklärt Bartoli: “Früher war es schwierig, die menschlichen Schwächen zu zeigen, das war nicht erlaubt. Norma war eine sehr kalte Frau, die Liebe zu Pollione war nicht sehr offenkundig.”

Sie fühlt sich für ihre Darstellung mehr von der italienischen Schauspielerin Anna Magnani inspiriert: “In dieser neuen, neorealistischen Fassung ist Norma zum ersten Mal auch eine sehr verliebte Frau – eine leidenschaftliche Frau, eine Frau, die liebt – und also eine verletzliche Frau. Diese Verletzlichkeit Normas zu zeigen, ist sicher eine neue Sicht der Rolle.”

Der Liebe steht allerdings Nebenbuhlerin Adalgisa im Weg, und vor allem die Tatsache, dass Pollione aus feindlichem Lager stammt.

Zum ersten Mal sind bei dieser Fassung für die Salzburger Pfingst- und Sommer-Festspiele die beiden weiblichen Hauptrollen wieder wie im Original besetzt: mit Norma als Mezzosopran und Adalgisa als Sopran, nicht umgekehrt wie zuvor üblich.

Außerdem spielt das Orchester mit Instrumenten der Epoche Bellinis. Und es wird alles bekannte Material aus der Originalpartitur verwendet. Dahinter steckt aufwändige musikwissenschaftliche Arbeit, erläutert Dirigent Giovanni Antonini: “Norma ist besonders problematisch, denn das Originalmanuskript ist sehr schnell dahingeschrieben worden, es gibt viele Korrekturen. Außerdem existieren sehr viele Quellen dazu. Der Musikwissenschaftler versucht, herauszufinden, welche die korrekteste, angemessenste Version ist. Genau das haben wir bei dieser Fassung von Norma versucht.”

Und er verweist darauf, dass anders als bei früheren Aufführungen hier auch alles bekannte Material der Oper aufgeführt wird: “Alles Material, das wir von Bellini haben, spielen wir vollständig. Keine Schnitte, keine Auslassungen – manchmal kürzt man aus Gründen der Erschöpfung, denn diese Musik ist ermüdend, sie ist schwer zu singen. Sogar in der Vergangenheit, auch mit starken, kraftvollen Stimmen, war es eine Musik, die geschnitten werden musste.”

“Wir haben wirklich versucht, der Partitur zu dienen”, betont Bartoli. “Und vor allem versuchen wir, Bellini als einen Zeitgenossen Schuberts, als einen präromantischen Komponisten zu sehen, und spielen seine Musik mehr mit dem Gedanken an Mozart als an Puccini.”

www.salzburgerfestspiele.at"
http://www.salzburgerfestspiele.at/Portals/0/Editorial_pf_2013_E.pdf

Wenn Sie mehr über die neue Fassung wissen möchten, können Sie weitere Ausschnitte aus dem Interview mit Giovanni Antonini in unserem Bonus unter folgendem Link anschauen.

‘Das ändert alles’: Dirigent Antonini über die neue Norma

Dirigent Giovanni Antonini und Mezzosopran Cecilia Bartoli zeigen in Salzburg eine neue Fassung von Bellinis Oper “Norma”, die mehr dem Original entspricht. In diesem Bonus (italienisch) erläutert Antonini die Details – es geht nicht nur darum, die Musik mit Instrumenten aus Zeiten Bellinis zu spielen…