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Wenn das Parlament zur Falle wird: Bosnier kesseln Abgeordnete ein

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Wenn das Parlament zur Falle wird: Bosnier kesseln Abgeordnete ein

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Nach einer langen Nacht eingekesselt im Parlament in Sarajewo sind Bosniens Abgeordnete am Morgen wieder freigekommen: Demonstranten hatten das Gebäude seit Donnerstag umzingelt und alle Insassen am Verlassen gehindert. Erst als die Polizei die spontane Protestversammlung auflöste, konnten die Parlamentarier wieder herausgelangen. Mehr als tausend Menschen hätten sich in dem Gebäude befunden, teilte die Parlamentsverwaltung mit, darunter mehrere hundert ausländische Gäste.

Angefangen hatte alles mit einem Kinderwagen – später wurde eine Menschenkette daraus: Der Volkszorn erregt sich derzeit in Bosnien an der Unfähigkeit der Abgeordneten, ein Gesetz zur Registrierung der Neugeborenen zu erlassen. Mangels Ausweis können die bosnischen Babys das Land nicht verlassen, wie zum Beispiel Fatima Ibrisevics Kind, das in Deutschland medizinisch behandelt werden sollte: “Wir haben bei der Gemeinde um eine Identifizierungsnummer gebeten, und sie haben uns gesagt, dass sie uns keine geben können. Sie würden uns ja gern helfen, könnten aber nichts tun”, erzählt sie.

Als der Fall jetzt an die Öffentlichkeit kam, gingen vor allem Eltern und Studenten auf die Straße. Sie fordern mehr als die vorläufige Lösung, die die Regierung diese Woche für sechs Monate gefunden hatte. Ein dauerhaftes Gesetz scheitert bislang, weil die muslimischen, kroatischen und serbischen Abgeordneten sich nicht auf die Grenzen der für die Registrierung zuständigen Verwaltungsbezirke einigen können.