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Das schwierige Leben von Iranern im Exil

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Das schwierige Leben von Iranern im Exil

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1979 erschütterte die islamische Revolution den Iran. Der Schah verließ das Land und Khomeini kehrte aus dem französischen Exil zurück. Seitdem haben fast fünf Millionen Iraner ihre Heimat verlassen. Verwandte des Schahs waren die Ersten, die überstürzt das Land verließen, gefolgt von Militärs und hohen Beamten. Sie betrachteten die neue Regierung zu Recht als eine Bedrohung für ihr Leben. Politiker, Linke und religiöse Radikale haben den Abgang des Schahs und die Ankunft von Khomeini dagegen als den Beginn einer neuen Ära, als das Ende einer Diktatur, gesehen.

Aber die glückliche Zeit hat nicht lange gedauert. Sehr schnell kam es zu blutigen Repressionen gegen Liberale und Linke, die keine religiöse Zugehörigkeit hatten. Tausende von Menschen wurden hingerichtet, andere ergriffen die Flucht. Der Beginn des Irakkriegs hat die Abwanderung ins Ausland weiter beschleunigt. Nach und nach haben politische und soziale Einschränkungen – wie die Verschleierungspflicht für Frauen und andere extreme Gesetze, die Auswanderung verstärkt.

2005, nach der Wahl von Mahmud Ahmadinedschad und ohne jegliche Hoffnung auf kleinste Reformen, kam es zu einer neuen Auswanderungswelle. Vier Jahre später nach einer weiteren umstrittenen Präsidentschaftswahl, kam es zu öffentlichen Massenprotesten. Wieder verließen Tausende Iraner das Land. Einige auf sehr gefährlichen Wegen.

Der Direktor des Khavaran-Verlags Bahman Amini floh in den 80er Jahren aus dem Iran. Er lebt heute in Paris. Er hat viele Bücher über das Leben der politischen Gefangenen und Flüchtlinge veröffentlicht.

Bahman Amini:

“Viele Flüchtlinge, Vertriebene würde ich sie nennen, starben, als sie ihr Land verließen, hauptsächlich auf den Fluchtwegen über die Türkei oder Pakistan. Sie wurden unter schwierigsten Bedingungen dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen – nachts, in der Kälte, im Schnee, zu Fuß oder zu Pferd. Einige von ihnen wurden verhaftet. Viele der Flüchtlinge und politischen Aktivisten, die festgenommen wurden, sind umgehend hingerichtet worden. Wir kennen ihre Namen. Manchmal sind die Menschen sogar an den Iran ausgeliefert worden.”

Erzwungene Emigration, Exil: das ist keine einfache Situation. Aber in den vergangenen Jahren mit der rasanten Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien konnten die Exilanten wieder Kontakt mit ihrer Heimat aufnehmen.

Mana Neyestani ist Karikaturist und Journalist. Er floh 2011 nach Frankreich und hat seitdem zwei Bücher veröffentlicht:

“Die erste und zweite Generation der iranischen Emigranten haben sich im Ausland isoliert gefühlt. Heute gibt es dieses Gefühl nicht mehr. Ich glaube, das Aufkommen des Internets, virtuelle Räume und soziale Netzwerke haben unser Exil verändert. Mein Lebensraum ist nunmehr das Web. Sie können mich im Internet finden und runterladen. Ich meine, Sie drücken eine Taste und Sie bekommen etwas. Ich bin mehr im Internet zu Hause, als in Paris oder im Iran.”

Neue Technologien und soziale Netzwerke haben die Beziehungen zwischen den Exilanten und dem Iran gestärkt. Das hat zur Folge, dass das, was zu Hause passiert, sich direkt auf die Diaspora auswirkt. Beispielsweise nach den Wahlen 2009, als Hunderttausende von Exil-Iranern die Forderungen ihrer Landsleute verbreitet haben.

Bahman Amini:

“Eines der Pariser Ereignisse von 2009 – die grüne Petition – war wirklich beispiellos. Mehr als 200 Städte aus der ganzen Welt haben an dieser Petition mitgewirkt. Auch Duschanbe, die Hauptstadt Tadschikistans oder Städte aus Indien. Iraner haben auf grünem Tuch den Satz ‘Ahmadinedschad ist nicht unser Präsident’ geschrieben und nach Paris geschickt. Hier haben wir daraus ein kilometerlanges Band gemacht und es dann am Eiffelturm in der Öffentlichkeit gezeigt.”

Die instabile politische und soziale Situation im Iran und immer stärkere Repressionen gegen Professoren und Studenten an den Universitäten führte dazu, dass viele Intellektuelle das Land verließen. Diese Abwanderung von Wissen hat irreparable Folgen für den Iran.

Mana Neyestani:

“Die Spitzenkräfte haben ihr Land aus einem einfachen Grund verlassen: Sie können in ihrer Heimat nicht mehr leben und arbeiten. Jeder zieht es vor, dort zu leben, wo er geboren oder aufgewachsen ist. Aber wenn deine Anwesenheit nicht gewünscht oder deine Arbeit nicht geschätzt wird, dann zieht man die Konsequenzen und geht dorthin, wo dein Talent geschätzt wird. So kommt es zum ‘brain drain’.”