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Road to Brazil 2014: Infrastrukturprobleme ungelöst

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Road to Brazil 2014: Infrastrukturprobleme ungelöst

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In einer Woche beginnt der Confed-Cup, die Generalprobe zur Fußball-WM im kommenden Jahr in Brasilien. Doch die Gastgeber sind weit davon entfernt bereit für beide Turniere zu sein. Große Probleme bereiten unter anderem der Umbau und die Erneuerung der Infrastruktur; um Transport und Telekommunikation ist es nicht gut bestellt. An brasilianischen Flughäfen starten und landen pro Stunde 38 Flugzeuge. Der internationale Standard liegt bei 88. Allein das zeigt die Probleme auf, die derzeit im brasilianischen Transportwesen herrschen. An vier Flughäfen wird noch immer gearbeitet und bis nächste Woche ist da sicherlich nichts fertig. Selbst Ex-Weltmeister Romario zeigt sich enttäuscht.

“Man hat den Menschen viele Versprechungen gemacht, diese aber nicht eingehalten. Sie stehen nur auf dem Papier”, so Romario. Auf Nachfrage von euronews fügte er hinzu. „Meine Kritik betrifft vor allem Verbesserungen im Nahverkehr und auch behindertengerechte Zugänge.”

Auch Ex-Weltmeister Zico treibt es die Sorgenfalten auf die Stirn: “Ich sorge mich um die Situation an den Flughäfen, in den Hotels und der Telekommunikation. Alles ist total überlastet. Wenn es um die Infrastruktur geht, dann sind wir nicht bereit für die Ausrichtung dieser WM.”

Die meisten WM-Spiele werden in Rio de Janeiro ausgetragen. Die neue U-Bahn in der Stadt wird wohl erst zu den Olympischen Spielen 2016 fertig sein. Derzeit gibt es nur zwei U-Bahn-Linien. Der übrige Öffentliche Nahverkehr ist keine Alternative. Touristen wünschen sich Verbesserungen.

“Der Nahverkehr sollte wirklich verbessert werden, aber ich denke sie werden es tun”, sagte ein amerikanischer Tourist. Eine Reisende aus Frankreich fügt hinzu: “Die Busverbindungen sind nicht so toll. Es gibt viele Busse, aber es dauert Stunden bis man sein Ziel erreicht hat. Das ist unpraktisch.” Eine heimische Passantin sieht es südamerikanisch gelassen:
“Sie werden es nicht schaffen, die Stadien und andere Dinge rechtzeitig fertig zu bekommen. Aber Brasilien ist schön und wir werden es schon irgendwie machen.”

Um die Großstädte herum ist der Verkehr kompliziert. In Brasiliens größter Stadt, Sao Paolo, benutzen täglich mehr als vier Millionen Menschen die U-Bahn. Auf den Straßen sieht es nicht anders aus. Sieben Millionen Fahrzeuge bewegen rund 20 Millionen Menschen von A nach B. Bei Regen wird der Verkehr noch schlimmer, denn das Wasser hat kaum eine Chance von den Straßen abzufließen. Die Regierung sieht sich zum handeln gezwungen und hat schon Ideen auf den Weg gebracht.

Gegenüber euronews sagte Vize-Sportminister Luis Fernandes: “Wir wissen, dass wir mit einigen Infrastrukturprojekten große Probleme haben und es zu Verzögerungen kommen wird. Wir versuchen dagegen zu steuern. Wir werden für jeden Ort an Spieltagen zusätzliche Feiertage einführen. Diese werden dann den öffentlichen Nahverkehr entlasten.”

euronews-Reporterin Claudia Garcia fragt nach: “Eine Stadt, die aber vier oder fünf Matches ausrichtet, würde dann am Ende aber auf 25 Feiertage im Jahr kommen?!”

Fernandes stimmt zu und sagte auf die Frage, ob das denn nicht negative Auswirkungen auf die Wirtschaft einer Stadt haben werde: “Ich denke die negativen Auswirkungen werden sich dann in Grenzen halten, wenn wir die WM vernünftig organisieren und ein positives Bild in die Welt aussenden.”

So richtig glücklich sind die Brasilianer mit der anstehenden WM nicht. Bislang wurden bereits umgerechnet rund 11 Milliarden Euro an Steuergeldern ausgegeben. Die Ausrichtung des Confed-Cups wird 17% teurer als zunächst geschätzt. Gelder, die an anderer Stelle fehlen.

“Wir bauen doch den Nahverkehr nicht für die Weltmeisterschaft um, sondern für die Zukunft Brasiliens”, so der Vize-Sportminister. “Die WM dauert einen Monat, die neuen Bauten überstehen aber eine ganze Weile. Ein anderes Beispiel: in Arbeiten gerade an einem landesweiten Highspeed Internetzugang. Das gilt auch für die dünnbesiedelte Amazons Region. Dort gibt es noch kein Internet. Das ist doch fantastisch für ganz Brasilien.”

Romario mit Zweifel aber auch Vorfreude: “Im Moment ist es leider so, dass im Zusammenhang mit der WM nicht alles nach Plan läuft. Einige der Ausgaben sind unnötig da Brasilien immer noch ein soziales Problem hat. Öffentliche Krankenhäuser und Schulen sind in einem schlechten Zustand. Dort wird nicht genug investiert. Als Brasilianer schaue ich aber positiv in die Zukunft und glaube daran, dass mein Land von der Weltmeisterschaft profitieren wird.”

Nach der WM ist vor Olympia und auch dann werden viele Probleme noch immer nicht gelöst sein.