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Second-Hand-Computer greift Bedürftigen unter die Arme

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Second-Hand-Computer greift Bedürftigen unter die Arme

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Jüngsten Statistiken zufolge haben Computer eine immer kürzere Lebensdauer. Sie ist innerhalb eines Jahrzehnts von sechs auf durchschnittlich zwei Jahre geschrumpft. 80 Prozent der ausgedienten Geräte werden nicht recycelt. In Europa fallen jedes Jahr 25 kg Elektroschrott pro Einwohner an. Bei der Herstellung eines PCs werden außerdem wertvolle Ressourcen verbraucht, etwa 240 kg fossile Brennstoffe und 1500 Liter Wasser.
Dabei geht es auch anders. euronews-Reporter Claudio Rocco hat ein Wohnzentrum für Obdachlose besucht, in dem man recyceltes Computermaterial benutzt. Die über 2500 Quadratmeter große Anlage wurde im Januar 2012 in der französischen Stadt Villeurbanne bei Lyon eröffnet, um Menschen in Not eine vorläufige Bleibe zu bieten. Dafür wurden mehre Dutzend Wohncontainer auf städtischem Gelände aufgestellt.

Für Menschen in Krisensituationen ist der Zugang zu Computer und Internet ein wichtiges Instrument, um wieder Fuß zu fassen. Deswegen hat eine Computerfirma einen sogenannten solidarischen Server eingerichtet, ausgestattet mit drei frei verfügbaren Recycling-PCs.

Ausgediente Maschinen wurden ganz einfach aufgefrischt und mittels Kabel mit dem Server verbunden. Auf diese Weise lässt sich die Lebensdauer eines PCs auf bis zu 10 Jahre verlängern.

Hinter der Idee steht Francois Aubriot, Leiter der Firma DotRiver. Er zeigt uns die Anlage, die in der Küche des Zentrums steht. Sämtliche Programme, basierend auf Open-Source-Software, sind hier untergebracht. Der Zentralrechner ist selbstverständlich auch recycelt. “Das sind ganz simple Terminals, die einfach nur dazu dienen, Bildschirm, Maus und Tastatur mit dem Netzwerk zu verknüpfen”, erklärt Aubriot. “Sämtliche Programme wie Virenschutz, sowie die Benutzerdaten befinden sich auf dem Server. Indem wir Material länger nutzbar machen mit Lösungen wie dieser, haben wir mehr davon. Wir müssen weniger neue Apparate anschaffen und schonen auf diese Weise die Umwelt.”

Jeder User verfügt über sein eigenes Computerumfeld, mit dem er Lebensläufe und Bewerbungen verfassen, für die Wohnungs-oder Arbeitssuche wichtige Dokumente im Internet abrufen und speichern kann.

Für die junge Mutter Mawa, die mit ihrer Tochter aus der Elfenbeinküste nach Frankreich kam, ist der Computer eine wichtige Hilfe bei der Integration in die Gesellschaft.
Claudio Rocco: “Welche Bedeutung hat der Computer für Sie?”
Mawa: “Ich versuche, mit Hilfsorganisationen in Kontakt zu kommen, um mich besser zu integrieren.”
Claudio Rocco: “Wissen Sie, dass es sich um alte PCs handelt, die recycelt wurden?”
Mawa: “Ich finde alles, was ich brauche auf dem Computer, ganz gleich ob recycelt oder nicht. Für mich ist das wunderbar.”

Lorena stammt aus Kolumbien, ist Mutter eines kleinen Jungen und erwartet ihr zweites Kind. Sie spricht kaum Französisch und sucht eine Arbeit.
Claudio Rocco: “Warum ist es für Sie wichtig, dass es in diesem Zentrum Computer gibt?”
Lorena: “Es ist wichtig, um aktiv nach einer Arbeit zu suchen und meinen Lebenslauf auf Spanisch und Französisch zu verfassen. Außerdem mache ich Online-Sprachkurse in Französisch und ich kommuniziere mit meiner Familie.”

Statt auf der Müllhalde zu verrotten, greift der Second-Hand-Computer Bedürftigen unter die Arme. Eine zweite Chance für Mensch und Maschine. Und ein Segen für die Umwelt.