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Aboulafia: "Mit mehreren soliden Bestellungen in Paris ist zu rechnen"

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Aboulafia: "Mit mehreren soliden Bestellungen in Paris ist zu rechnen"

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Richard Aboulafia ist Vize-Präsident der Luftfahrt-Beratungsfirma Teal Group, schreibt für mehrere Fachzeitschriften und gilt als Experte der Luft- und Raumfahrtindustrie. Er antwortet auf die Fragen von euronews.

euronews:
Was können wir von der diesjährigen Pariser Luftschau erwarten? Stehen wichtige Ankündigungen bevor, große Deals in der Industrie?

Richard Aboulafia:
“Wir werden sicherlich mehrere solide Bestellungen für größere Versionen bereits existierender Luftfahrzeuge erleben. Angesichts der anhaltend hohen Treibstoffpreise wäre es nicht überraschend, dass Luftfahrtkunden auf Einsparungen bei Großraummaschinen wie der 787-10X, dem A350-1000 und der 777-9X setzen.

Jets mit größerer Sitzdichte dürften ebenfalls sehr gefragt sein, zum Beispiel die neue 737-800/MAX 8 mit zusätzlichen Sitzreihen, wahrscheinlich auch die Cseries CS300, wenn Bombardier beim Verkauf dieser Flugzeugfamilie stärker in die Offensive geht.

Eine dichtere Version der neu überarbeiteten Embraer 190 Serie könnte ebenfalls mehr Aufträge anlocken oder zumindest für Gesprächsstoff sorgen.”

euronews:
Boeing will die Probleme mit den 787-Batterien hinter sich lassen. Zeigt uns das Geschehene nicht, dass der amerikanische Flugzeugbauer bei der Innovation der Technologie und Produktion zu weit gegangen ist?

Aboulafia:
“Das steht außer Frage. Künftig werden neue Technologien auf rein wirtschaftlicher Basis betrachtet, das heißt, rentiert es sich durch geringere Produktionskosten, eine bessere Preisgestaltung oder Marktanteile? Was den Produktionsprozess angeht, muss es Boeing, ebenso wie alle anderen auch, dringend überdenken, wie bisher Partnerunternehmen bei Design und Integration eine zentrale Rolle zu überlassen.

Auslagerungen sollte es nur geben, wenn der Hauptauftraggeber die Übersicht über alle wichtigen Systeme und Schlüsselstrukturen behält. Boeing spricht davon, diese Bereiche wieder nach Hause zu holen. Sollte Boeing jedoch den Bau der 777X nach Japan auslagern, ohne eine wichtige Rolle beim Design beizubehalten, würde das bedeuten, dass sie nach wie vor zu Risiken bereit sind.”

euronews:
Europa ist immer noch von der Wirtschaftskrise betroffen. Die traditionellen Fluglinien sehen sich zu Umstrukturierungsplänen gezwungen, oder wie Air France, bereits bestehende zu verschärfen, während Low-Cost-Fluglinien ganz gut zurechtkommen. Ist Europa dazu gezwungen, ein Low-Cost-Kontinent der kommerziellen Luftfahrt zu werden?

Aboulafia:
“Die Wirtschaftsmodelle der International Airlines Group IAG, von Lufthansa und Air France sehen vernünftig aus, ebenso die der Low-Cost-Fluglinien. Dennoch scheint es die europäische Politik nicht zu stören, dass Fluglinien aus den Golfstaaten, allen voran den Vereinigten Arabischen Emiraten, den historischen Langstreckenverkehr angreifen, wenn sie dabei A380-Maschinen einsetzen. Andererseits, haben sie eine Wahl?
Die Fluggesellschaften Emirates, Qatar und Etihad haben schon seit Langem die Absicht, ihren Anteil am europäischen Flugverkehr zu vergößern. Die meisten der kleinen, nicht-europäischen Low-Cost-Fluglinien leben auf Zeit und werden früher oder später von den drei großen Fluglinien geschluckt, sonst werden sie ganz einfach untergehen.”

euronews:
Airbus-Verkaufschef John Leahy hat gesagt, dass der afrikanische Marktanteil an der kommerziellen Luftfahrt innerhalb der nächsten zehn Jahre ebenso bedeutend sein wird, wie der asiatische. Stimmen Sie dem überein?

Aboulafia:
“Herr Leahy ist ein ausgezeichneter Diplomat. Und gute Diplomatie kann in der Tat manchmal die Wirklichkeit verändern. Aber es ist unmöglich, die Zahlen so zurecht zudrehen, das Afrika in zehn Jahren ebenso wichtig wie Asien ist. Es sei denn, Asiens Reisezahlen würden dramatisch sinken und die Afrikas spektakulär ansteigen. Niemand sonst rechnet mit dem Auftauchen dieser Trends.”