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Milchpulverkritik von Ai Weiwei

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Milchpulverkritik von Ai Weiwei

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Peking darf der regimekritische Künstler Ai Weiwei nicht verlassen und sorgt dennoch immer wieder mit neuen Werken weltweit für Furore. Derzeit auf der Kunstbiennale in Venedig und in Hongkong, mit dieser Installation: die Volksrepublik China, bestehend aus 1800 Milchpulverdosen. Eine Anspielung auf den jüngsten Babynahrungsskandal. 2008 waren mehrere Kinder an verseuchter Babymilch gestorben und tausende schwer erkrankt.

Die Erklärung des Künstlers: “Fast alle Firmen, die das Milchpulver gepanscht hatten, sind staatseigene Betriebene, die den einheimischen Nahrungsmittelmarkt monopolisieren und die größten Gewinne einfahren. Wenn staatliche Firmen, ein derart gravierendes Problem haben und das unter staatlicher Aufsicht, Regulierungen und Kontrollen zum Trotz, sollten auch die Staatsvertreter dafür geradestehen.”

Das Werk lasse sich auf vielfältige Weise interpretieren, sagt der Kurator der Schau, Cosmin Costinas. Es gehe nicht nur das Thema Lebensmittelsicherheit, sondern auch um die komplizierte Lage Hongkongs. “Man kann diese Installation auch als eine Darstellung der Ängste Hongkongs interpretieren. Angst vor den anderen, vor den Menschen vom chinesischen Festland, die nach Hongkong strömen und versuchen, so viel wie möglich mit nach Hause zu nehmen.”

Weil auf dem Festland Milchpulvermangel herrscht, versuchen viele Menschen, sich in Hongkong mit Babynahrung zu versorgen. Seit März gilt in der Sonderverwaltungsregion ein Ausfuhrverbot für größere Mengen Milchpulver.