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Wütende Proteste in Brasilien

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Wütende Proteste in Brasilien

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Sie wollen preiswerten Nahverkehr, mehr Geld für Bildung und Gesundheit und keinen teuren Fußball: In Brasilien geht die Mittelschicht auf die Straße, um gegen soziale Missstände zu protestieren. Das Land, das 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft austrägt, gibt gerade 11 Milliarden Euro für den derzeit stattfindenden Confederations Cup aus.

Der Auslöser für die wütenden Proteste: eine Erhöhung um 20 Cent für eine Busfahrkarte in São Paulo. In der 11-Millionen-Stadt bezahlen die Einwohner im Vergleich weltweit am meisten für einen Busfahrschein: Sie müssen gut 14 Minuten dafür arbeiten, in Madrid sind es nur knapp sieben Minuten.

Fernando Haddad, der Bürgermeister der Wirtschaftsmetropole, verteidigt die Erhöhung der Fahrpreise:

“Das ganze Jahr über haben wir uns darum bemüht, dass die Kostenanpassung unter der Inflationsrate blieb. Das war unser großes Bestreben. Und trotzdem zahlen wir gut 600 Millionen Real an Subventionen.”

Aber die Mittelschicht will wissen, wofür ihr Geld ausgegeben wird. Der Boom ist vorbei, die Wirtschaft wächst kaum noch: 2012 stieg das Bruttoinlandsprodukt nur um knapp einen, im ersten Quartal 2013 nur um 0,6 Prozent. Und das bei einer jährlichen Inflationsrate von 6,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,5 Prozent.

Für viele Brasilianer wird es immer schwieriger, über die Runden zu kommen. Die Lebenshaltungskosten steigen drastisch, vor allem die Preise für Nahrungsmittel, wie eine Frau auf dem Markt in Rio de Janeiro beklagt:

“Letzte Woche kostete ein Beutel Gemüse wie dieser 1 Real 50, heute zahlt man dafür bereits zwei. Und die Preise steigen und steigen, es wird immer schwieriger einzukaufen.”

Obwohl sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt und trotz einer jahrelangen starken wirtschaftlichen Entwicklung, leidet Brasilien unter enormen sozialen Missständen. Dem Land fehlt es an Infrastruktur, während Milliarden ausgegeben werden für die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016.