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Ungarn: Ehemaliger Ministerpräsident Gyula Horn gestorben

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Ungarn: Ehemaliger Ministerpräsident Gyula Horn gestorben

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Der frühere ungarische Ministerpräsident Gyula Horn ist tot. Horn starb im Alter von 81 Jahren. Seit 2007 litt er an einer schweren Krankheit.

Bis zum Ende seiner politischen Laufbahn wurde Gyula Horn immer wieder auf die Geste seines Lebens angesprochen – als er im Juni 1989 symbolträchtig den “Eisernen Vorhang” zerschnitt.
Damals als Außenminister der noch zum Warschauer Vertrag gehörenden “Ungarischen Volksrepublik”. Er hatte dies damals mit seinem österreichischen Amtskollegen Alois Mock verabredet, mit dem er sich15 Jahre später an der historischen Stätte traf.

“Wir sind auf einander angewiesen und ich möchte, dass wir unseren Traum bezüglich Europa verwirklichen, dass man in diesem Europa nicht nur geboren werden und sterben kann, sondern dass es sich in diesem Europa auch zu leben lohnt.”

Und dies sind die historischen Bilder vom 27. Juni 1989, als er mit der Drahtschere gewissermaßen auch ein Loch ins Moskauer Herrschaftssytem schnitt. Es war die Vorbereitung für den Fall der Mauer in Berlin dreieinhalb Monate später. Dank Horns Öffnungspolitik liefen der DDR in jenem Sommer ´89 die Bürger in Massen davon. Es war Ferienzeit, die DDR-Bürger ohnehin gern im wesentlich liberaleren Ungarn verbrachten.

Schnell hatte sich herumgesprochen: Über Ungarn und Österreich kann man “abhauen”, wie es damals genannt wurde, wenn DDR-Bürger raus wollten aus ihrem streng abgeriegelten sozialistischen Vaterland.

Horn erreichte auch, dass Ungarn als erster Staat unter den von Moskau abhängigen am 10. März 1990 mit der UdSSR ein Abkommen über den Abzug der auf seinem ungarischen Territorium stationierten sowjetischen Truppen unterzeichnen konnte.

Dieser Wandel vom Jung-Kommunisten, der 1954 der regierenden “Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei” beitrat, zum Sozialdemokraten war für den 1932 in Budapest geborenen Horn wahrlich ein weiter Weg. Beim blutig niedergeschlagenen anti-kommunistischen Aufstand 1956 war Horn noch ein ganz linientreuer Genosse.

Seit 1985 Außenminister, wurde er nach dem Wahlsieg seiner zur Sozialdemokratie gewendeten Partei 1994 Ministerpräsident.

Gyula Horn konzipierte Ungarns Weg in Richtung EU und NATO.
2003 begründete er zusammen mit Michael Gorbatschow das “World Political Forum” für den Austausch von Meinungen.

Seine große politische Karriere endet 1998 mit der Wahlniederlage seiner Partei. Für seiner Verdienste um Europa wurde er unter anderem mit “Karlspreis der Stadt Aachen” ausgezeichnet.