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Erdogans Popularität ist angekratzt

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Erdogans Popularität ist angekratzt

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Auf den Straßen in der Türkei herrscht Ruhe, aber es ist eine trügerische Stille: Die bewegungslose Protestaktion des türkischen Künstlers Erdem Gündüz hat die Menschen offenbar inspiriert. Immer mehr Menschen entdecken den stummen Widerstand als “Standing Man” für sich.

Ein Mann auf der Straße sagt:

“Die Leute wollen nur Freiheit. Freiheit ist das Wertvollste,
was ein Mensch verteidigen kann. Wenn jemand keine Freiheit hat, besitzt er auch keine Würde mehr.

Alles fing an mit einer Handvoll Umweltaktivisten, die Ende Mai für den Erhalt des Gezi-Parks demonstrierten. Die Proteste wurden brutal niedergeschlagen. Hunderte von Festnahmen, viele Verletzte, verbotene Demonstrationen und willkürliche Gewaltaktionen.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat unterschiedlich auf die Proteste reagiert, die sich schnell gegen seine Person richteten: anfangs setzte er auf brutalen Polizeieinsatz mit Wasserwerfern, später auf Verhandlung und Schlichtung, kehrte dann zur Gewalt zurück. Leidet sein Ansehen darunter?

Dogu Ergil, politischer Analyst:

“An Erdogans Popularität hat sich nicht viel geändert. Sie ist vielleicht ein bisschen angekratzt. Nicht seine Legitimität wird infrage gestellt, aber die Art und Weise, der Stil seiner Führung und wie die Regierung mit dieser Krise umgeht. Ich glaube, die türkische Gesellschaft, zumindest ein Teil davon, zeigt mit diesen Protesten, dass sie keinen “Big Brother” will.”

Gäbe es jetzt Wahlen, würde Erdogan wahrscheinlich gewinnen. Aber die Protestbewegung befleckt sein Ansehen. Das Land ist gespalten:

“Vor zehn Jahren sah man in der Türkei überall Müll. Das Land war nicht weit genug entwickelt. Jetzt geht es uns viel besser. Unsere Wirtschaft hat sich sowohl auf lokaler als auch internationaler Ebene entwickelt, wie auch unsere internationalen Beziehungen.

“Ich stapfte jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit durch Tränengas. Meine Augen brannten. Das haben wir nicht verdient. Wir haben ihn gewählt. Aber jetzt, hat er seinen Posten noch verdient? Nein, hat er nicht.”

Nach seiner Wahl 2011 versprach Erdogan, dass er der Ministerpräsident aller Türken sein wolle, nicht nur der Anhänger seiner Partei. Jetzt kann er zeigen, wie ernst es ihm damit ist.