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Marsdetektive - dem Roten Planeten auf der Spur


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Marsdetektive - dem Roten Planeten auf der Spur

Unsere Satelliten fliegen um den Mars, Roboter fahren auf ihm herum und graben sich in seinen Grund, immer auf der Suche nach Zeichen von Leben. Denn wenn es das außerhalb unserer Erde jemals gegeben hat, dann auf dem Roten Planeten, so sind sich Forscher sicher. Das Vorkommen von Wasser konnte bereits nachgewiesen werden. Konkrete Beweise für Leben auf dem Mars fehlen bislang aber.

“Diese unglaubliche Menge an Staub in manchen Marsregionen frustriert mich am meisten. Ob auf der Oberfläche oder aus dem All, wir kommen da nicht durch, um zu sehen, was genau darunter liegt”, sagt Anouck Ody. Sie ist Post-Doc-Forscherin an der Universität von Lyon. Um dem, was darunter liegt auf die Spur zu kommen, machen sich die weltweit besten Wissenschaftsdetektive ans Werk.

Denn unser Bild vom Mars hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Wesentlich dazu beigetragen hat der Einsatz der ESA-Raumsonde Mars Express. Seit nunmehr zehn Jahren umrundet der Satellit den Mars und sammelt fleißig Informationen. Daraus errechnen Wissenschaftler eine 3D-animierte Oberflächenkarte des Planeten, immer auf der Suche nach Mineralien und anderen geologisch interessanten Vorkommen. “Zum Beispiel haben wir Hydratmineralien gefunden. Das sind Mineralien, die in Anwesenheit von Wasser entstanden sein müssen. Das zeigt uns, dass es über viele Millionen Jahre Wasser auf der Marsoberfläche gegeben haben muss”, erklärt Olivier Witasse, Marsexperte der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

Schon 1965 näherten Fotos der NASA Mariner-4-Raumsonde Spekulationen über Wasser und damit über mögliches Leben auf dem Roten Planeten. Im folgenden Jahrzehnt dann trug das ebenfalls von der NASA aufgelegte Viking-Programm seinen Teil dazu bei. Der nächste Schritt waren dann kleine, geländegängige Roboter, die die Marsoberfläche analysieren sollen. Zu einiger Berühmtheit brachte es der Roboter Curiosity. Im letzten Jahr landeten der 900 Kilo schwere Analyseapparat im Rahmen der NASA-MSL-Mission auf der Marsoberfläche. Im Kopf des Curiosity-Roboters sitzt ein Laser, auch bekannt als ChemCam. Er wurde von Wissenschaftlern im französischen Toulouse konstruiert. Auf dem Mars schießt ChemCam auf Gestein, um anschließend dessen Eigenschaften bestimmen zu können.

In Frankreich steht eine Testversion des Roboters. Ingenieur Bruno Dubois ist Mechanischer Ingenieur an der Universität Paul Sabatier in Toulouse und erklärt die Funktionsweise des Apparats. “Das ist die sogenannte Marskammer. Wir legen die Gesteinsproben hinein, stellen ein Vakuum her und füllen das Innere der Kammer dann mit einem Gas, das die Marsatmosphäre simuliert. Das Plasma, das sich nun auf dem Gestein bildet, trifft also auf dieselben Bedingungen wie auf dem Mars”, so Dubois.

Grundsätzlich ist die Marsatmosphäre heute zu schwach, um Wasser in flüssiger Form an der Oberfläche zu halten, erklärt Anouck Ody, die junge Wissenschaftlerin aus Lyon. “Es gibt zu wenig Druck. Allerdings findet man heute Wasser in der Atmosphäre des Planeten und auch eingelagert als Eis. Das Wasser kommt hauptsächlich an den Polkappen vor”, so Ody. Dies hatte die ESA-Raumsonde Mars Express herausgefunden. Doch die Sonde stieß damals noch auf etwas anderes: Methangas. “Es wird noch viel über die Zuverlässigkeit dieser Beobachtungen diskutiert. Doch wenn es dort wirklich Methangas gibt, dann müssten wir auch sagen können, woher es kommt. Es könnte aus geologischer Aktivität stammen, aus Reaktionen des Gesteins mit dem flüssigen Wasser. Das hieße dann wiederum, dass der Mars geologisch aktiv ist”, weiß Olivier Witasse.

Das europäische Raumsondenprojekt ExoMars soll dieses Geheimnis lüften. Im Jahr 2016 werden Satelliten dem Geheimnis des Methans durch Messungen im Orbit auf den Grund gehen. In 2018 soll dann ein Roboter im Marsstaub landen und gezielt nach Spuren von Leben suchen. Noch diskutieren die Wissenschaftler darüber, wo der ExoMars-Roboter landen soll. Sie gehen davon aus, dass das Leben auf dem Mars vor rund vier Milliarden Jahren existierte. Günstig wäre also eine Position, in der Wasser lange hätte bestehen bleiben können, also etwa in einer Talsenke. “Das sogenannte Mawrth Vallis ist dabei ein sehr interessanter Ort, weil es dort große Lehmvorkommen gibt”, sagt ESA-Wissenschaftler Jorge Vago. “Es ist eine der ältesten Gegenden, die wir auf dem Mars kennen. Es liegt auf einer Höhe, die für uns gut zu erreichen ist.”

Der Mars – zuweilen ein widerspenstiger Nachbar, der seine Geheimnisse hinter Staub und vielen Millionen Jahren verbirgt. Und doch gibt es Fortschritte. Einige Erkenntnisse könnten den Wissenschaftlern auch Fragen zum Leben auf der Erde beantworten. “Wir glauben, dass die nötigen Zutaten auf dem Mars vor einer langen Zeit existierten”, resümiert Anouck Ody. “Aber reicht das, oder nicht? Wir wissen es nicht. Wenn wir auf Leben stoßen, dann können wir mehr dazu sagen. Wenn nicht, bleibt all das ein großes Geheimnis.”

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