Eilmeldung

Eilmeldung

Das fußballverrückte Brasilien schreit "Foul"

Sie lesen gerade:

Das fußballverrückte Brasilien schreit "Foul"

Schriftgrösse Aa Aa

Erstaunlich, dass im fußballverrückten Brasilien die Ausrichtung der WM Proteste hervorruft. Doch auch wenn die Brasilianer voll und ganz hinter ihrer Mannschaft stehen, haben sie ein Jahr vor dem sportlichen Großereignis andere Prioritäten und kritisieren die enormen Ausgaben für den Fußball.

“Genug Korruption” “wir wollen Krankenhäuser auf Fifa-Standard” “Wir wollen Schulen auf Fifa-Standard” steht auf den Plakaten der Demonstranten.

Die Leute auf der Straße sind besorgt:

“Hohe Preise, viele Steuern, Probleme mit dem Gesundheitswesen, eine ernste Lage.”

“Die Leute gehen mit dem Mindestlohn in Rente, es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, sie können sich das Krankenhaus nicht leisten.”

Alles hat mit der Erhöhung der Buspreise in Sao Paulo angefangen. Der Funken, an dem sich die seit Langem schwelende Unzufriedenheit entzündete. Dazu kamen die enormen Ausgaben für die Modernisierung der Infrastruktur anlässlich der kommenden Großereignisse.

Die Ausgaben für die Fußball-WM betragen schätzungsweise elf Milliarden Euro. Bis 2014 wird sich die Zahl voraussichtlich noch erhöhen. Das sind 57 Euro pro Person. Der Staat muss über 10 Milliarden Euro aus dem Haushaltsplan 2013 finanzieren und dabei sicherstellen, dass keine wichtigen Bereiche zu kurz kommen.

So sollten Bildung, Gesundheit und Wohnen nicht beeinträchtigt werden – Bereiche, die den Alltag der Brasilianer berühren. Obwohl viele in den vergangenen Jahren die Armut überwunden haben, bleibt die Situation für den Mittelstand schwierig. Kranksein ist teuer, die öffentlichen Krankenhäuser sind überlastet und es gibt nicht genügend Schulen.

Die Arbeitslosigkeit ist gering, aber der Mindestlohn beträgt 244, der durchschnittliche Lohn liegt bei 454 Euro. Das Wachstum ist viel niedriger als in anderen aufstrebenden Märkten wie Asien und die Inflation ist immer noch sehr hoch.

Das sind die Probleme, die die Demonstranten umtreiben, meistens gebildete junge Leute, eine Folge der vergangenen Boomjahre. Viele haben den Eindruck, dass sie nicht von den gewaltigen Ausgaben für die kommenden Sportveranstaltungen profitieren werden.