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Britische Internetschnüffler schlimmer als NSA

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Britische Internetschnüffler schlimmer als NSA

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Auch der der britische Geheimdienst hat offenbar massiv Telefon- und Internetverbindungen ausspioniert. Wie die Zeitung “the guardian” berichtet, hat das in Cheltenham in der Grafschaft Gloucestershire beheimatete Government Communications Headquarters (GCHQ) die transatlantischen Glasfaserkabel angezapft. Die Telekommunikationsfirmen seien davon informiert, einige für ihre Zusammenarbeit sogar bezahalt worden. Man habe ihnen aber verboten darüber zu reden.

Das britische Projekt mit dem Namen “Tempora” soll noch umfangreicher sein als das amerikanische “Prism”-Programm.

Erfasst werden Telefonanrufe, E-Mails, Facebook-Einträge oder der Verlauf der Internetnutzung. Auch völlig unbescholtene Bürger werden ausgespäht. Täglich werden 600 Millionen Telefongespräche erfasst und aus mindestens 46 verschiedenen Glasfaserkabeln 21 Petabyte an Daten abgeschöpft. Das, so der Guardian, sei das 192-fache der Informationsmenge, die in allen in der British Library in London aufbewahrten Bücher enthalten sei.

Seit vielen Jahren teilen die Geheimdienste der USA und Großbritanniens ihre Erkenntnisse. Sie arbeiten außerdem in einer “Five Eyes” (Fünf Augen) genannten Kooperation mit den Abhöragenturen Kanadas, Australiens und Neuseelands zusammen.

Eine Sprecherin des US-Geheimdienstes NSA wies Berichte zurück, die NSA bediene sich der britischen Partner für Aktionen, die ihr nach US-Recht nicht erlaubt seinen. So braucht die NSA eine richterliche Genehmigung für Abhöraktionen.

Die Informationen stammen von Edward Snowden, der früher für die NSA gearbeitet hat. Er ist inzwischen in den USA wegen Spionage angeklagt worden und in HongKong untergetaucht.

“Er hat uns etwas gesagt, das wir nicht wussten. Es ist gut, dass die Öffentlichkeit diese Dinge kennt. Wir sollten damit aufhören. Ja, er sollte geschützt werden und wenn sie mich fragen, ob wir ihn an die USA ausliefern sollten: nein!”, meint Herr Ge aus der Provinz ZheJiang.

“Ich glaube jeder spioniert jeden aus und alle wissen das. Nur er spricht es offen aus. Also, ich habe keine Meinung, ob das richtig oder falsch ist; aber viel Glück für ihn. Ich bewundere ihn”, sagt Marketingdirektor Ben White.

Ein mit der Enthüllungsplattform Wikileaks verbundener isländischer Geschäftsmann hat in HongKong ein Flugzeug bereit gestellt, das Snowden nach Island fliegen könnte. Man warte nur auf ein positives Signal der isländischen Regierung hieß es.

Weiterführende Links

the guardian: GCHQ taps fibre-optic cables for secret access to world’s communications (englisch)

GCHQ (englisch)

United States District Court for the Eastern District of Virginia: Criminal complaint against Edward Snowden (.pdf)