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Die lange Liste der Prozesse gegen Berlusconi

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Die lange Liste der Prozesse gegen Berlusconi

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Landet dieser Mann eines Tages im Gefängnis? Oder kehrt er eines Tages auf die politische Bühne zurück? Silvio Berlusconi hat an letzterem nie gezweifelt.
In einer denkwürdigen Ansprache 2011 erklärte er: “Liebe Freunde, wie ihr alle wisst, schrecke ich vor Stürmen nicht zurück. In 17 Jahren habe ich viel erlebt. Sie haben alles mögliche versucht, um mich aus der Politik und der Geschichte zu beseitigen.”

Die Justiz ist ihm seit den Parlamentswahlen 1994 auf den Fersen. Bereits in den ersten Jahren seines Mandates gab es fünf Klagen gegen Berlusconi, insgesamt wurde er zu sechs Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Doch immer wieder schaffte er es, seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen. Es sind noch drei Prozesse im Gang.
Zu den großen Affären gehört der Skandal um Berlusconis Medienkonzern Mediaset, den er selbst in den 70er Jahren gegründet hatte. Es ging um Steuerbetrug und Schwarzgeldkassen. Nach Ansicht des Gerichtes war der Ministerpräsident persönlich in den Ankauf von Fernsehrechten seines Unternehmens verwickelt, bei denen hunderte Millionen Euro zu viel gezahlt wurden. Dafür wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Berlusconi legte Widerspruch ein. Doch sein Antrag blitzte beim Verfassungsgericht ab. Nun bleibt Berlusconi nur noch die zweite und letzte Berufungsinstanz.

Auch in der sogenannten Unipol-Affäre wurde Berlusconi verurteilt – ein Jahr Gefängnis wegen der Veröffentlichung vertraulicher Informationen zu einem Finanzskandal im Jahr 2005. Wahrscheinlich muss der 76-Jährige muss aufgrund seines fortgeschrittenen Alters sowieso nicht mehr ins Gefängnis. Der “Ruby-Prozess” stellt den Milliardär vor große Probleme. Es geht um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch. Als die damals 17-Jährige “Ruby” wegen Diebstahls festgenommen wurde, meldete sich Berlusconi, damals noch Regierungschef, persönlich bei der Polizei und erwirkte ihre Freilassung. Berlusconi hatte behauptet, sich für sie eingesetzt zu haben, weil sie angab, eine Nichte des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zu sein. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte die marokkanische Nachtclubtänzerin mit Berlusconi Sex gegen Geld. Beide bestreiten das.

Die zahlreichen Verfahren setzen den ehemaligen Ministerpräsidenten unter Druck. Italiens Regierungskoalition könnte ins Wanken geraten, denn an dieser ist mal wieder die Partei des früheren Ministerpräsidenten beteiligt.