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US-Informant: Held oder Verräter?

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US-Informant: Held oder Verräter?

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Der IT-Experte Edward Snowden sorgt weltweit mit seinen Enthüllungen für Aufsehen. Dabei geht es um Internetspähprogrammen der Geheimdienste der USA und Großbritanniens. Die USA beschuldigten ihn der Spionage.

In einem Interview rechtfertigt sich der Informant: “Wenn ich den USA einfach nur Schaden hätte zufügen wollen, hätte ich einfach das Überwachungssystem innerhalb eines Nachmittags heruntergefahren. Aber das ist nicht meine Absicht. Diejenigen, die mir das vorwerfen, sollten sich mal Folgendes überlegen: Ich habe ein privilegiertes Leben auf Hawaii geführt, in einem Paradies, und ich habe jede Menge Geld verdient. Wie schlimm muss es sein, dass du alles zurück lässt.”

Der junge Mann arbeitete zuletzt für die Beratungsfirma
Booz Allen Hamilton, die im Auftrag des US-Geheimdienstes an der Internet-Überwachung beteiligt war. Seine Arbeit habe ihm Zugang zu Listen mit gehackten Computern in der ganzen Welt verschafft, erklärte Snowden. Die Enthüllungen seien von langer Hand geplant gewesen.

Mit den Geheimdokumenten setzt sich Snowden von Hawaii am 20. Mai Richtung Hongkong ab. Nicht mal seine Verlobte ist informiert. In der Metropole macht der US-Geheimdienstler seine explosiven Enthüllungen in Interviews mit der “Washington Post” und dem “Guardian” öffentlich. Drei Wochen lang taucht er in einem Fünf-Sterne-Hotel unter. Anschließend versteckt er sich offenbar nach mehreren Zwischenstationen in der Wohnung eines Helfers. Nachdem er seinen Namen publik gemacht hat, befürchtet er in Hongkong festgenommen und an die USA ausgeliefert zu werden, denn dort wurde bereits ein Haftbefehl erstellt. Er lässt seine Anwälte mit einem Mittelsmann verhandeln und stellt einen Asylantrag in Ecuador.

Ein Staatsrechtler erklärt: “Der Mittelsmann ließ ausrichten, dass Snowden Hongkong verlassen solle. Es wurde ihm zugesichert, dass er das Land verlassen könne, ohne am Flughafen festgehalten zu werden.”

Begleitet wurde der 30-Jährige von der Britin Sarah Harrison, einer WikiLeaks-Aktivistin. Edward Snowden bestieg am vergangenen Sonntag ein Flugzeug Richtung Moskau. Von dort aus sollte er eigentlich am Montag in die kubanische Hauptstadt Havanna weiterfliegen.

Aber die Journalisten an Bord des Aeroflot-Fluges hielten vergebens nach Snowden Ausschau. Sein Sitz mit der Nummer 17 blieb leer. Nach Angaben von Kremlchef Wladimir Putin hält sich Snowden nach wie vor im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf.