Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Ein Jahr im Amt: Mohammed Mursi spaltet Ägypten


Ägypten

Ein Jahr im Amt: Mohammed Mursi spaltet Ägypten

Fast 52 Prozent der Stimmen hatte er erhalten, am 30. Juni vergangenen Jahres wurde er vereidigt: Ägyptens erster frei gewählter Präsident Mohammed Mursi polarisiert das Land wie kaum ein anderer. Der Muslimbruder, ein gelernter Brückeningenieur, teilt die Ägypter in Islamisten und Säkulare. Dabei hatte er versprochen, der Präsident aller Ägypter zu sein, für einen zivilen Staat einzutreten und den Staat nicht zu islamisieren. Jetzt sind viele Ägypter vom autoritären Führungsstil ihres Präsidenten enttäuscht, Millionen fordern Neuwahlen.

Doch der 62-Jährige hat auch viele Anhänger. Sie beanspruchen, Mursi sei demokratisch gewählt, die Probleme im Land führen sie auf das Erbe von Mursis Vorgänger Husni Mubarak zurück. Erstmals auf die Straße gingen die Menschen, als Mursi versuchte, die gesamte Judikative auszuschalten. Seitdem findet man überall in Kairo Karikaturen des Präsidenten, in weiten Teilen der Bevölkerung machen sich Frustration und Zukunftsangst breit. Viele sehen Mursi als Marionette der Islamisten an.
Weil er sich über Mursi lustig macht, überziehen Salafisten und Anhänger der Muslimbrüder den überaus beliebten Fernsehsatiriker Bassem Youssef seit Monaten mit Anzeigen wegen Beleidigung des Präsidenten, Gefährdung der inneren Sicherheit und Verleumdung des Islam.

Zehntausende belagerten den Präsidentenpalast, als Mursi mit der Zweidrittelmehrheit aus Muslimbrüdern und Salafisten eine neue Verfassung durchboxte. Bei dem anschließenden Referendum stimmten 20 Prozent der Wähler dafür, zehn dagegen – und 70 Prozent gingen gar nicht erst zur Abstimmung. Ghada Shabandar von der Ägyptischen Bürgerrechtsorganisation meint, man mache sich Sorgen um die Freiheit im Land; sei es die der Frauen, der Kinder, die der jungen oder alten Männer, der Nubier, der Beduinen auf dem Sinai, der Muslime und der Christen. Die neue Verfassung schütze nicht die Rechte aller Ägypter gleichermaßen.

Die Gewalt zwischen den Religionen hat zugenommen seit dem Amtsantritt von Mohammed Mursi. Im April dieses Jahres wurden vier Kopten und ein Muslim bei Auseinandersetzungen im Norden Kairos getötet. Zwei Tage nach deren Beerdigung fingen die Zusammenstöße wieder an. Für Spaltung sorgen auch die jüngsten Vorfälle in der Provinz Luxor. Dort kam es zu Unruhen, weil Mursi ein ehemaliges Mitglied der islamistischen Jamaa Islamija als Gouverneur einsetzte. Die Gruppe wird für die Ermordung von 58 ausländischen Touristen im Jahr 1997 verantwortlich gemacht. Adel Asaad al-Chajat hat sein Amt als Gouverneur inzwischen niedergelegt.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Automatische Übersetzung

Automatische Übersetzung

Nächster Artikel

welt

Generalstreik in Portugal: Vor allem Nahverkehr und Gesundheitswesen betroffen