Eilmeldung

Eilmeldung

"Mursi sollte einfach zugeben, dass er es nicht kann"

Sie lesen gerade:

"Mursi sollte einfach zugeben, dass er es nicht kann"

Schriftgrösse Aa Aa

Für viele Ägypter scheint es eine Ewigkeit her zu sein, dass ihr Präsident Mohammed Mursi ins Amt gewählt wurde. Viel ist geschehen seither, und viele Menschen sind enttäuscht. In ihren Augen hat sich nichts verbessert, im Gegenteil.

Für sie ist es ein verlorenes Jahr. Die Hoffnungen sind erloschen. Mursi hatte viel versprochen, er übernahm das Land in einer schwierigen Phase, und das wissen die Ägypter. Was sie Mursi vorwerfen ist, seine Versprechen nicht gehalten zu haben.

“Zeig uns die Lösung”

Ahmed Maher von der Jugendbewegung des 6. April: “Natürlich hat es nach einer Revolution der erste Präsident schwer, das ist normal. Die Last ist groß und dagegen sagt niemand etwas. Aber sie haben gesagt: Wir haben ein Erneuerungsprojekt und wir haben die Lösung für alle Probleme Ägyptens. Und wir sagen, dann zeig sie uns.”

Die sogenannte Jugendbewegung des 6. April hat zum Sturz von Ex-Präsident Husni Mubaraks beigetragen. Jetzt bildet sie die Front gegen dessen Nachfolger Mursi. Zusammen mit der Bewegung Tamarrod hat sie 22 Millionen Unterschriften gegen Mursi und seine Regierung gesammelt.

“Er sollte gehen und zugeben, dass er es nicht kann”

Es sind aber nicht nur politische Differenzen und von den Muslimbrüdern beschnittene Freiheiten, die vielen Ägyptern zu schaffen machen. Auch das alltägliche Leben ist betroffen. So müssen Autofahrer oft stundenlang für eine Tankfüllung anstehen. Viele sind am Ende ihrer Geduld.

Eine Autofahrerin sagt: “Mursi sollte sagen, dankeschön, aber ich konnte nichts für dieses Land tun. Dann sollte er gehen und es jemandem überlassen, der tatsächlich etwas tun kann. Es ist keine Schande zuzugeben, dass man es nicht kann.”

Die Arbeitslosigkeit steigt, die Währung verliert an Wert, die Inflation nimmt zu, und praktisch alle sind betroffen. Die Preise für Brot steigen seit Monaten, dasselbe gilt für Obst und Gemüse.

Ein junger Mann sagt: “Die Dinge sind jetzt vier, fünfmal teurer als früher. Ich verdienen 500 oder 600 Pfund im Monat, soll ich nur noch ein Kilo Früchte pro Monat kaufen?”

Tourismus im freien Fall

Die Staatskassen leeren sich. Investoren haben das Weite gesucht und einer der wichtigsten Wirtschaftsmotoren, der Tourismus, befindet sich im Leerlauf. Einst war er verantwortlich für gut ein Viertel der Deviseneinkünfte und machte 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Ein Achtel der Arbeitsplätze war im Fremdenverkehr zu Hause. Seit 2011 ist der Tourismus um ein Drittel geschrumpft. Fehlende Sicherheit, die Revolution und die Furcht vieler Touristen vor einem islamistischen Land haben Strände und Hotels leergefegt.