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Neue Sicht auf die Morbus-Crohn-Krankheit

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Neue Sicht auf die Morbus-Crohn-Krankheit

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An einem Londoner Krankenhaus wird eine Krankheit behandelt, von der jährlich 700.000 Europäer betroffen sind. Ein Leiden über das nicht gern öffentlich geredet wird.

Jill Fellows, Betroffene:

“Es ist wirklich eine schlimme Krankheit, die Betroffenen müssen sich das eingestehen und nicht die Strategie verfolgen, dass sie die ganze Zeit auf die Toilette gehen, es ist so viel mehr als das. Man bekommt Crohn Arthritis, meine Hände sind davon betroffen, und auch meine Hüfte ist angegriffen. Ich hatte auch einen Morbus Crohn im Auge, das war angeschwollen. Diese Krankheit schwächt das Immunsystem, man wird anfällig für alles.”

Und sie ist nicht allein mit ihrer Erkrankung.

Andrew Gilbert, Betroffener:

“Ich hatte fürchterliche Magenschmerzen und schrecklichen Durchfall, außerdem blutete ich auch. Es war offensichtlich, dass etwas nicht stimmte. Am Ende des Tages operierten sie mich. Aber sie dachten, es wäre ein Riss in den Gedärmen. Sie machten mich auf und wieder zu und schickten mich nach Hause. Aber die Schmerzen wurden schlimmer und schlimmer. Es dauerte gut zwei, drei Jahre, bis sie herausfanden, dass es Morbus Crohn ist. Ich habe so viele Untersuchungen hinter mir.”

In der Regel wird Morbus Crohn durch Röntgen-Untersuchungen und invasive Techniken wie Endoskopie oder Koloskopie diagnostiziert.

Aber an diesem Krankenhaus testen Wissenschaftler eines europäischen Forschungsprojekts Diagnosewege mit neuesten Techniken der medizinischen Bildgebung.

Zum Beispiel arbeiten Radiologen mit der Magnet-Resonanz-Tomografie (die MRT ist ein diagnostisches Verfahren, das die räumliche Darstellung von Körperregionen ermöglicht) bei der Suche nach Verdickungen an der Darmwand – häufig ein frühes Symptom der Krankheit.

Stuart Taylor, Radiologe, University College London Hospitals:

“Sehen Sie beispielsweise hier, diese anormale Schleife des Dünndarms hier. Dieser Teil ist von Morbus Crohn betroffen, er ist viel dicker als der normale Dünndarm daneben. Aus Patientensicht ist das ein sehr sicherer Test. Sie werden keiner Röntgenstrahlung ausgesetzt und haben deshalb keine langfristigen Nachteile.”

Die Magnet-Resonanz-Bilder können auch für Computermodelle verwendet werden, die in der Lage sind, physiologische Prozesse im Körper des Patienten vorherzusagen.

Eine große Hilfe für Gastroenterologen, die damit Patienten entsprechend ihren ganz besonderen Bedürfnissen behandeln können.

Alastair Forbes, Gastroenterologe, University College London Hospitals:

“Wir sind jetzt in der Lage, eine ziemlich genaue Diagnose stellen zu können: Wir können sagen, der Patient hat Morbus Crohn, eine Stenose (Verengung der Blutgefäße), eine Fibrose (krankhafte Vermehrung des Bindegewebes) oder eine Entzündung. Wenn wir die Computeranalyse noch weiter mit all den verschiedenen wissenschaftlichen Algorithmen aus unserem Programm automatisieren können, dann stehen die Chancen gut, das Diagnoseverfahren noch weiter zu verfeinern.”

Die Forscher hoffen, dass die neuen Visualisierungstechniken, die wesentlich genauer und klarer als früher sind, auch dazu beitragen, die Ursachen der Krankheit herauszufinden. Ein wichtiger Ansatz für die Betroffenen.

Jill Fellows:

Forschung ist von grundlegender Bedeutung. Wir müssen herausfinden, was die Krankheit verursacht und ob es eine Heilung dafür gibt. Speziell für die jungen Menschen, denn es ist herzzerreißend, so viele Jugendliche daran leiden zu sehen.”

Frans Vos, Physiker, Delft University of Technology und Projektkoordinator:

“Wir konzentrieren uns auf die Grundlagenforschung, damit Patienten genauer beurteilt werden können. Ich glaube, dass diese Technologie in der Zukunft – sagen wir in vier Jahren vielleicht – auch angewendet werden kann.”

Die Forscher gehen davon aus, dass die neuen Visualisierungstechniken auch bei der Bekämpfung von anderen entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa eingesetzt werden können.

Mehr Informationen im Internet:

www.vigorpp.eu