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Berbermusik, mongolischer Punkrock und die Blues Brothers auf dem Timitar Festival

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Berbermusik, mongolischer Punkrock und die Blues Brothers auf dem Timitar Festival

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Seinen 10. Geburtstag feierte in diesem Jahr das Timitar Festival in Agadir. Vier Tage lang lockte das Treffen der Weltmusik nahezu eine Million Besucher in die Stadt. Die marokkanische Region Souss Massa Drâa gilt als Zentrum der lange Zeit unterdrückten Berberkultur. Das Festival versteht sich auch als ein Sprachrohr für die Sache der Berber, sagt der künstlerische Leiter Brahim El Mazned.
“Geboren wurde das Festival, um die Kultur der Amazigh zur verteidigen, aber auch, um Kulturen aus aller Welt zu empfangen.”
Festivaldirektor Khalid Bazid bestätigt: “Es ist ein Zeichen des Friedens und der Öffnung. Alle sind willkommen. Die Berbermusik lädt die Musik der Welt ein. Es ist eine kulturelle Plattform.”

Der libanesische Musiker und Komponist.Marcel Khalife gründete 1976, mitten im libanesischen Bürgerkrieg, sein Ensemble “Al Mayadine”, das sich mit seinen engagierten und sozialkritischen Liedern einen Namen in der arabischen Welt machte.
Das Konzert auf dem Timitar Festival war dem palästinensischen Dichter Mahmoud Darwish gewidmet.
Das Publikum in Agadir kannte die Texte auswendig und sang mit. Seine Musik kenne keine Grenzen, meint Marcel Khalife.
“Es ist von allem etwas dabei, die Musik ist vielseitig, ähnlich wie die Kultur Marokkos. Es gibt orientalische und westliche Elemente, Folklore, Jazz, afrikanische Klänge. Alles ist vertreten, wir müssen nach vorne schauen, auf den Horizont, dort, wo das Licht ist, in diese Richtung gehen wir gemeinsam.”

Med Jbara gilt als Pionier der marokkanischen Rockmusik, der unterschiedliche Stile, Tradition und Moderne vermischt. Als Kind brachte er sich der Mann aus Agadir selbst das Gitarrespielen bei. Heute ist er ein anerkannter Fusion-Musiker und Produzent.
“Ich spiele reguläre, internationale Rockmusik, aber mit marokkanischen Melodien, Gnawa Musik, Raï und Chaabi. Wir repräsentieren die zeitgenössische marokkanische Musik, die Themen wie Frieden und Brüderlichkeit in der Welt anspricht. Das kommt bei allen gut an, die Musik ist ausdrucksstark.”

Von weit, weit her, aus China, kam die mongolische Punkrockband Hanggai.
Die Gruppe verbindet moderne Rhythmen mit traditionellen, mongolischen Instrumenten, wie die mongolische Pferdekopfgeige “Morin Chuur”.

Auch altbekannte Stimmungsbomben waren in Agadir: Die Original Blues Brothers Band, 1978 von John Belushi und Dan Aykroyd gegründet und durch den gleichnamigen Kultfilm verewigt. Bandabgänge und Veränderungen gab es so einige bei den Blues Brothers. Gitarrist Steve “The Colonel” Cropper war von Anfang an mit dabei. Er erinnert sich an die goldenen Zeiten. “Jeden Tag gingen wir ins Studio wie zur großen Sonntagsmesse. Es war ein Riesenspaß. Sobald die Türen verschlossen waren, saßen wir im Dunkeln, verloren jedes Gefühl für Zeit und spielten Wahnsinnsmusik.”

Ebenfalls für gute Stimmung sorgte Cheb Khaled, der algerische König der Raï-Musik.
200 Tausend Fans kamen zu seinem Konzert auf dem Al Amal Platz. Am Ende trug der Star, ganz solidarisch, die Fahne der Berber um die Schultern.