Eilmeldung

Eilmeldung

"Wir brauchen Mandela immer noch"

Sie lesen gerade:

"Wir brauchen Mandela immer noch"

Schriftgrösse Aa Aa

Ärmliche Baracken und Jugendliche, die nichts zu tun haben. Eine typische Szene im Township Alexandra bei Johannesburg. Die Siedlung hat von der Zeit nach der Apartheid nicht so profitieren können, wie das ungleich bekanntere Soweto. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, es fehlt an vielem. Einst suchte Nelson Mandela bei seinem Kampf gegen die Apartheid hier in Alexandra Zuflucht. Die Menschen hier sind bis heute stolz darauf.

“Wir brauchen Mandela immer noch”

Martha Clearens Letsoalo wohnt hier seit den Jahren der Rassentrennung. Ihre Kinder nahmen 1976 am Aufstand in Soweto teil. Sie sagt: “Nelson Mandela bedeutet alles für uns. Wir lieben ihn und brauchen ihn noch immer.”

Marthas Enkel Tumi leitet ein Fitnesscenter, er ist selbst ein bekannter Bodybuilder. Sein Anliegen ist es, allen Bewohnern des Townships eine sportliche Betätigung zu ermöglichen. So will er für Chancengleichheit und Integration kämpfen – und Jugendliche von der Straße holen in einer Gegend, in der das Verbrechen zum Alltag gehört.

Tumi Masite: “An Schulen gibt es keinen Sport mehr, Lehrer motivieren die Kinder nicht, die Finger von Drogen und Alkohol zu lassen. Nelson Mandela ist meine und unsere Inspiration hier im Sportzentrum. Ich will auch eines Tages so werden wie er. Wenn ich mit Sport die Leute hier zu einem gesunden Lebensstil bringen kann, ist das gut.”

Neue Freiheiten, neue Anforderungen

Ein nicht fertiggestelltes Museum in Alexandra steht symbolisch für den fehlenden politischen Aufbauwillen im Township. 2003 sollen umgerechnet mehr als 100 Millionen Euro für die Erneuerung Alexandras bereitgestellt worden sein. Das Geld, so sagen die Menschen hier, sei aber nie angekommen, verschwunden in einem Sumpf der Korruption.

Nach der Apartheid konnte Frans Kekana ein eigenes Geschäft aufmachen. Madiba habe den Südafrikanern die Freiheit gebracht, sagt er. Aber es bleibe noch viel zu tun, um die Ziele, für die Nelson Mandela eingetreten ist, zu erreichen.

Frans Kekana: “Geld ist Geld, die Freiheit kann ich nicht essen. Ich brauche Geld, um zu essen, dafür muss ich arbeiten. Jetzt müssen wir aber allen die Möglichkeit dazu geben.”

euronews-Reporterin Valérie Gauriat: “Im Township Alexandra lassen sich zweifellos die Probleme der südafrikanischen Gesellschaft beobachten. Stolz auf die gewonnene Freiheit und die von Mandela geschaffene Toleranz, so hat man hier doch auch mit sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, durch die vor allem viele Schwarze außen vor bleiben.”