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Ägypten: "Jetzt ist die Arznei bitter, die wir nehmen müssen"

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Ägypten: "Jetzt ist die Arznei bitter, die wir nehmen müssen"

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Noch hat Ägyptens Wirtschaft nach der Revolution von Anfang 2011 nicht richtig Fuß gefasst. Die Machtprobe um Präsident Mohammed Mursi verfinstert die Wirtschaftsaussichten.

Knapp 8 Milliarden Euro jährlich setzte die ägyptische Tourismusindustrie vor 2011 um, jeder zehnte Ägypter arbeitete in der Branche. Die Besucherzahlen sind seitdem um ein Drittel zurückgegangen.

Reiseagent Walid El Batouty (WFME Tourism Agency):

“Mein Geschäft ist wirklich mitgenommen. Mein Geschäft liegt im Sterben. Seit drei Jahren ist schon tote Hose. Diese Regierung hatte viele Chancen, um das Leben erträglich zu machen. Jetzt ist die Arznei bitter, die wir nehmen müssen. Das wird sehr hart, aber wir schlucken sie. Deswegen sind wir auf die Straße gegangen und wir machen damit weiter.”

Die Wirtschaft wächst für ein Entwicklungsland im Aufholprozess nur sehr langsam, im Schnitt nur mit zwei Prozent. Geschätzt bis zu 15 Prozent des ägyptischen Bruttoinlandsproduktes werden von – oftmals defizitären – Militärunternehmen erwirtschaftet. Die Direktinvestitionen sind im Vergleich zu 2010 auf gut ein Viertel gesunken. In diesem Jahr wird mit 13,5 Prozent Arbeitslosigkeit gerechnet. Die Preise steigen um mehr als 8 Prozent, nicht zuletzt, weil die Währung stark an Wert verloren hat. Die Wirtschaft profitiert davon aber nicht, die Außenbilanz ist stark negativ.

Der Egyptian Stock Exchange Index in Kairo, hatte in den ersten Monaten nach der Wahl des Muslimbruders Mursi zum Staatspräsidenten um 30 Prozent zugelegt. Wie in der ägyptischen Bevölkerung kam auch hier die Trendwende: Seit Oktober verlor die Börse in Kairo wieder alle Zugewinne, jüngst 1,5 Prozent.

Der Ölpreis stieg auf ein 14-Monatshoch.

In der Börse in Kairo hat einer ein Schild gemalt, darauf steht:
“Hau ab!”

Mit dpa, Reuters